Mannheim Landgericht lehnt Hauptverhandlung gegen mutmaßlichen KZ-Aufseher ab

Wegen Beihilfe zum Mord sollte sich ein mutmaßlicher Aufseher des Konzentrationslagers Auschwitz vor Gericht verantworten. Nun hat das Landgericht Mannheim die Verhandlung abgelehnt.


Das Landgericht Mannheim hat die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen einen 94-jährigen mutmaßlichen Aufseher des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau abgelehnt. Die zuständige Kammer sehe nach einem umfangreichen medizinischen Gutachten die Verhandlungsfähigkeit des Mannes als nicht gegeben an, teilte das Gericht mit. Der 94-Jährige sollte sich wegen Beihilfe zum Mord verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, spätestens nach Abschluss seiner Grundausbildung von Dezember 1942 bis Ende Januar 1943 durch seinen Wach- und Bereitschaftsdienst "den Lagerbetrieb und damit die Vernichtungsaktionen unterstützt" zu haben. Der Angeklagte teilte über seine Verteidigerin mit, dass ihm "die Hintergründe, die Zielrichtung und der Ablauf des Tötungsgeschehens" nicht bekannt gewesen seien.

In dem Zeitraum, für den sich der 94-Jährige vor Gericht verantworten sollte, kamen laut Staatsanwaltschaft mindestens 15 Eisenbahntransporte in Auschwitz an. Dabei seien mehr als 13.000 Menschen als nicht arbeitsfähig eingestuft und in den Gaskammern ermordet worden. Staatsanwaltschaft und Nebenklage können gegen die Entscheidung Beschwerde einlegen.

Ähnliche Fälle wurden erst in den vergangenen Jahren vereinzelt vor deutschen Gerichten verhandelt. Als wegweisend galt der Fall des inzwischen verstorbenen Auschwitz-Buchhalters Oskar Gröning, den das Landgericht Lüneburg 2015 zu einer vierjährigen Haftstrafe wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen verurteilte.

Das Urteil wurde auch vom Bundesgerichtshof höchstrichterlich bestätigt. Gröning starb im März im Alter von 96 Jahren kurz vor einem möglicherweise bevorstehenden Haftantritt.

sen/AFP

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