Prozess wegen Kindesmissbrauchs Zwei Flüge auf die Philippinen

Johann R. reiste auf die Philippinen, um Mädchen zu missbrauchen. Aus der U-Haft in Deutschland kam er schnell wieder frei. Erst drei Jahre später steht der geständige Privatier nun vor Gericht.
Angeklagter Johann R., Verteidiger Steffen Lindberg: Voll geständig

Angeklagter Johann R., Verteidiger Steffen Lindberg: Voll geständig

Foto: Michael Ruffler

Johann R. betritt das Landgericht Mannheim als freier Mann. Das ist erstaunlich, wenn man hört, was Staatsanwältin Tina Haltrich ihm vorwirft: Er fand demnach im Darknet für seine pädophile Neigung willige Vollstrecker auf den Philippinen, den Australier Peter S. und dessen philippinische Lebensgefährtin Liezyl M. Das Paar drehte extrem gewalttätige Missbrauchsvideos, möglicherweise auch mit Hilfe der insgesamt 7729,05 US-Dollar, die Johann R. überwies.

Laut Anklage flog Johann R. zudem zwischen November 2012 und Mai 2013 zweimal auf die Philippinen, um selbst Minderjährige zu missbrauchen. Das Paar führte ihm dort ein 13 Jahre altes Mädchen zu, betäubte es mit Valium und stellte es ihm zur freien Verfügung. Johann R. verging sich an dem Mädchen sowie an einer Elfjährigen, fotografierte seine Handlungen, ließ sich dabei filmen und überwies außerdem Geld zum Kauf eines Baggers. Mit diesem wollte das Paar angeblich ein unterirdisches Verlies bauen, in dem Kinder gefangen gehalten und missbraucht werden sollten.

Während die Staatsanwältin ausführlich die Vorwürfe vorträgt, weint der Angeklagte. Johann R. ist ein unscheinbarer Mann in einem graublauen Hemd, 44 Jahre alt, der nie in seinem Leben arbeitete. Er sei "Privatier", sagt er, er lebe von den Mieteinnahmen der 27 Wohnungen, die ihm seine Mutter vererbt habe. Knapp beschreibt er vor Gericht seinen Werdegang. Als es um sein Intimleben geht, wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

"Er weiß, dass er bestraft wird"

Sein Verteidiger Steffen Lindberg erklärt, Johann R. räume alle Tatvorwürfe "umfassend und ohne Einschränkung" ein. Sein Mandant bedauere sein Fehlverhalten, er wolle sich entschuldigen und die Verantwortung übernehmen. "Er weiß, dass er bestraft wird", sagt Lindberg.

Johann R. geriet ins Visier der Fahnder, nachdem seine Kontaktleute auf den Philippinen aufgeflogen waren. Zunächst konzentrierte sich die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität als Teil der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt auf den Fall. An einem Morgen Anfang Juli 2016 wurde Johann R. in seinem Haus festgenommen und kam in Untersuchungshaft.

Dort blieb er für nicht einmal vier Wochen. Sein Anwalt stellte Haftprüfungsantrag, das Amtsgericht Gießen hob den Haftbefehl am 3. August 2016 auf, übergab den Fall an die Staatsanwaltschaft Mannheim. Seither ist Johann R. ein freier Mann. Warum? "Er hat umfassend mit den Ermittlungsbehörden kooperiert und Aufklärungshilfe geleistet", erklärt Lindberg. So begründet es auch die Staatsanwältin.

Und warum dauerte es mehr als drei Jahre bis zum Prozessbeginn? "Aus unserer Sicht kam es sowohl bei der Staatsanwaltschaft Mannheim als auch beim Landgericht zu rechtsstaatswidrigen Verzögerungen", sagt Verteidiger Lindberg. Das sei niemandem persönlich vorzuwerfen, aber eine Folge der "dortigen Arbeitsüberlastung und Personalknappheit".

Die Verzögerung werde sich auf das Strafmaß auswirken, ist Lindberg überzeugt. "Wem das nicht passt, der sollte sich über die Anzahl der Stellen in der staatlichen Justiz und deren Bezahlung Gedanken machen."

Er muss sich regelmäßig bei der Polizei melden

In den vergangenen drei Jahren musste Johann R. Auflagen erfüllen. 402 Mal habe er sich seit seiner Festnahme bei der Polizei melden müssen, sagt er. "Ich habe kein einziges Mal gefehlt."

Verteidiger Lindberg betont, Johann R. habe mit seinem Geld nicht die Herstellung kinderpornografischen Materials unterstützen, sondern nur Vertrauen zu dem Paar aufbauen wollen. Es sei ungeklärt, inwieweit von seiner Zahlung etwas in die Produktion eines besonders menschenverachtenden Films mit einem Kleinkind geflossen sei.

Johann R. habe von dem Paar auf den Philippinen ein Mädchen vermittelt haben wollen, das seinen Präferenzen entspreche. Die Staatsanwältin ist davon überzeugt, dass er mit einem Mädchen zwischen elf und 13 Jahren zusammensein wollte.

Fast 15 Jahre lang lebte Johann R. in einer festen Beziehung, plante eine eigene Familie. Woran die Beziehung zerbrach, will der Vorsitzende Richter Michael Pfau wissen. Johann R. zögert nicht lange. "Ich wollte etwas Jüngeres."


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