SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

06. April 2017, 12:56 Uhr

Negativer DNA-Test

Festgenommener im Mordfall Bögerl wieder frei

Die DNA eines im Mordfall Maria Bögerl festgenommenen Mannes stimmt nicht mit Spuren am Auto des Mordopfers überein. Die Polizei ließ den 47-Jährigen inzwischen frei.

Der im Mordfall Maria Bögerl festgenommene Mann ist wieder frei. Der Tatverdacht gegen ihn habe sich nicht erhärtet, sagte Staatsanwalt Armin Burger in Ellwangen. Zuvor hatte eine Untersuchung ergeben, dass die DNA des Mannes nicht mit Spuren übereinstimmt, die im Auto des Mordopfers gefunden worden waren.

Im vergangenen Juli soll der 47-Jährige betrunken zwei Passanten im westfälischen Hagen erklärt haben, er habe Bögerl erstochen. Die Passanten hatten Teile des Gesprächs aufgenommen.

"Ganz konkret hat er gesagt, er habe Maria Bögerl erstochen", sagte Chefermittler Michael Bauer von der Soko Flagge am Mittwochabend in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY...ungelöst". Außerdem habe der Betrunkene gesagt, er hasse die Familie Bögerl. Der Verweis auf den Mordfall machte die Passanten so misstrauisch, dass sie das Gelalle aufzeichneten und die Aufnahme der Polizei gaben.

Nach einer öffentlichen Fahndung des Bundeskriminalamtes (BKA) wurde der Mann am Mittwochabend in seiner Wohnung in Königsbronn im Landkreis Heidenheim festgenommen. Im Verhör bestritt er aber, an der Entführung und Ermordung der Bankiersgattin aus Heidenheim beteiligt gewesen zu sein. Die Gemeinde Königsbronn liegt vom Haus, aus dem Bögerl entführt wurde, nur wenige Kilometer entfernt.

In seinem Heimatort Königsbronn war der Mann schon mehrmals mit wirren Geschichten aufgefallen. Dort ist er als jemand bekannt, der Alkohol- und wohl auch Drogenprobleme hat, psychisch labil ist. Der Mann läuft regelmäßig im Tarnanzug durch den Ort, schon am frühen Morgen ist er in den Wäldern anzutreffen.

Zwar fühlten sich gelegentlich Joggerinnen und Jogger durch das Zusammentreffen überrascht, doch nach übereinstimmender Meinung im Ort ist der 47-Jährige harmlos. Er trug in seinem Rucksack auch Bierflaschen mit sich herum, sprach von sich aus Passanten an. Dann erzählte er zum Beispiel, er gehe nach Stuttgart zum Studieren. "Er ist ein Einzelgänger", heißt es im Ort. "Es geht schon viel durcheinander bei ihm."

Als das BKA am Mittwoch die Audio-Aufnahme und ein Phantombild verbreitete, meldeten sich gleich mehrere Anrufer aus Königsbronn bei der zuständigen Polizeistelle. Zu eindeutig war der Sprachduktus, auch wenn das Phantombild vom tatsächlichen Aussehen des Mannes abweicht.

Die 54-jährige Maria Bögerl war am 12. Mai 2010 aus dem Haus ihrer Familie in Heidenheim entführt worden. Ein bis heute unbekannter Täter meldete sich nach der Entführung telefonisch und forderte 300.000 Euro Lösegeld. Die Geldübergabe scheiterte allerdings.

Die Leiche der Frau wurde knapp drei Wochen später in einem Wald gefunden. Die Obduktion ergab, dass die 54-Jährige mit einem etwa 20 Zentimeter langen Messer erstochen worden war. Der zwischenzeitlich fälschlich unter Verdacht geratene Ehemann Bögerls beging gut ein Jahr nach dem Mord Suizid.

Die Polizei hat in dem Fall schon über 10.000 Spuren ausgewertet und 7000 DNA-Proben genommen. Nun kommt womöglich eine weitere Spur hinzu, die ins Leere führt. "Diese schreckliche Tat schwebt noch immer über unserer Region, sie ist immer noch Gesprächsthema", sagt Königsbronns stellvertretender Bürgermeister Engelbert Frey. "Es wären alle sehr erleichtert, wenn hier endlich Klarheit herrschen würde."

ulz/cnn/dpa/AFP

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung