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Proteste gegen Begnadigung von Sexualstraftäter: "Kein Pardon, keine Gnade"

Foto: Mustapha Houbais/ AP/dpa

Begnadigung eines Kinderschänders Marokkos König will Skandalentscheidung untersuchen

Erst amnestierte Marokkos König Mohammed VI. einen verurteilten spanischen Kinderschänder - doch plötzlich will er den Vorgang noch einmal genau untersuchen lassen. Zuvor hatte die Polizei eine Demonstration Tausender Menschen gegen die Begnadigung brutal niedergeschlagen.

Rabat - Die Begnadigung eines spanischen Kinderschänders durch König Mohammed VI. hat in Marokko große Empörung ausgelöst. Der Monarch habe eine Untersuchung des Skandals angeordnet, teilte das Königshaus in Rabat mit. Mohammed sei "in keinster Weise und zu keinem Zeitpunkt über die niederträchtigen Verbrechen informiert" worden, die der zu 30 Jahren Haft verurteilte Pädophile begangen habe. Andernfalls hätte er den "bedauerlichen" Erlass niemals unterzeichnet, hieß es. Man werde die Verantwortlichen identifizieren und zur Rechenschaft ziehen.

Es ist eine ungewöhnliche Mitteilung, denn das Königshaus rechtfertigt sich praktisch nie für die Handlungen des Monarchen. In diesem Fall sah es sich aber offenbar dazu gezwungen - möglicherweise auch wegen der blutigen Proteste vom Freitagabend.

Tausende Menschen waren auf die Straße gegangen, um gegen die Begnadigung zu demonstrieren. Die marokkanische Polizei schlug den Protest brutal nieder. Allein bei einer Kundgebung vor dem Parlament in Rabat seien Dutzende Menschen verletzt worden, berichtete unter anderem das Nachrichtenportal "Afrik". Auch Journalisten seien ins Krankenhaus gebracht worden. Für Dienstag riefen Menschenrechtsgruppen zu einer Großdemonstration in Casablanca auf, der bevölkerungsreichsten Stadt des Landes.

Freilassungen zur Feier des Thronjubiläums

Der 64-jährige Spanier Daniel Fino Galván war 2011 wegen Vergewaltigung von elf Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen vier und 15 Jahren zu einer 30-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er hatte die Taten fotografiert und gefilmt. Nach eineinhalb Jahren hinter Gittern wurde er am Mittwoch in der Hafenstadt Kenitra im Norden des Landes freigelassen.

König Mohammed hatte Anfang der Woche die Freilassung im Rahmen einer Amnestie für insgesamt 1044 Menschen anlässlich des 14. Jahrestags seiner Thronbesteigung angeordnet. Galván soll inzwischen nach Spanien ausgereist sein.

Neben dem Pädophilen wurden weitere 47 Spanier amnestiert, nachdem der spanische König Juan Carlos bei einem Besuch in Rabat Mitte Juli um einen entsprechenden "Akt der Freundschaft" gebeten hatte. Mit Blick auf die Empörung in Marokko betonte das Außenministerium in Madrid nun, die Liste der Betreffenden sei von den marokkanischen Behörden zusammengestellt worden. Die oppositionellen Sozialisten in Spanien kündigten dennoch an, am Montag im Madrider Parlament eine Stellungnahme von der konservativen Regierung einzufordern.

Medienberichte, wonach es sich bei dem aus dem Irak stammenden Galván um einen früheren Spion gehandelt haben soll, wurden bisher weder von Madrid noch von Rabat kommentiert. Nach Berichten der spanischen Zeitung "El País" und des marokkanischen Portals "Lakome" arbeitete der Pädophile als Geheimdienstagent für Spanien im Irak, wo er zum Sturz von Diktator Saddam Hussein beigetragen haben soll. Als "Belohnung" soll der Iraker seinerzeit von Madrid mit neuem Namen und mit einem spanischen Pass ausgestattet worden sein.

aar/dpa/AFP
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