Terrorermittlungen in Marseille Mann sticht auf Passanten ein und wird erschossen

In Marseille hat ein Mann Passanten mit einem Messer attackiert. Zwei Frauen erlagen ihren Verletzungen, der Angreifer wurde von Soldaten erschossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Terrorverdachts.

Militär und Passanten am Bahnhof Saint-Charles
AP

Militär und Passanten am Bahnhof Saint-Charles


Am wichtigsten Bahnhof von Marseille haben Soldaten einen Mann erschossen, der zuvor Passanten mit einem Messer angegriffen hatte. Zwei Frauen erlagen ihren Verletzungen, wie Innenminister Gérard Collomb sagte. Die Polizeigewerkschaft Unsa-Police erklärte, die Opfer seien 17 und 20 Jahre alt gewesen.

Der Angreifer habe "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen, berichten mehrere Medien unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die für Terrorfälle zuständige Pariser Staatsanwaltschaft zog den Fall an sich. Ermittelt werde wegen Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben und versuchten Mordes an Amtspersonen, teilte die Behörde mit.

Der Angriff ereignete sich gegen 13.45 Uhr auf dem Bahnhof Saint-Charles. Soldaten der Antiterroroperation Sentinelle, die unter anderem an wichtigen Bahnhöfen in Frankreich patrouillieren, erschossen den Angreifer daraufhin. Der Mann soll wegen anderer Straftaten bereits polizeibekannt sein, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet.

"Wut und Trauer für die Opfer"

Die Polizei sperrte den Tatort weiträumig ab und rief auf Twitter dazu auf, den Bahnhof zu meiden. Der Verkehr wurde zunächst umgeleitet. Schwerbewaffnete Soldaten und Polizisten bezogen auf der großen Treppe vor dem Bahnhof Stellung. Am frühen Abend konnte der Zugverkehr teilweise wieder aufgenommen werden. Der Bahnhof befindet sich in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums - nicht weit entfernt von der berühmten Hauptader Canebière, die bis zum Alten Hafen von Marseille führt.

Der Angriff ereignete sich zwei Tage vor der Parlamentsabstimmung über einen umstrittenen Entwurf für ein Anti-Terrorgesetz. Demnach sollen bestimmte Maßnahmen des geltenden Ausnahmezustands in normales Recht überführt werden. Den Ausnahmezustand hatte die Regierung des ehemaligen Präsidenten François Hollande nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 verhängt.

Staatspräsident Emmanuel Macron sagte der Agentur Reuters zufolge, er sei über den barbarischen Angriff zutiefst empört. Premierminister Edouard Philippe schrieb auf Twitter: "Wut und Trauer für die Opfer. Unterstützung für die Soldaten und Polizisten von 'Sentinelle', die uns schützen." Zugleich versicherte der Regierungschef: "Wir werden nicht in unserer Wachsamkeit nachlassen."

mxw/aev/AFP/dpa/Reuters

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