Massaker in Berufsschule Finnischer Amokschütze bereitete Tat seit sechs Jahren vor

Sein Hass auf alle Mitmenschen soll "grenzenlos" gewesen sein: Der finnische Amokschütze Matti Juhani S. plante seine Tat schon seit 2002 - das stellten Ermittler jetzt bei der Durchsuchung seines Zimmers fest. Der 22-Jährige hatte in einer Berufsschule zehn Menschen und sich selbst getötet.


Helsinki - Im Alter von 16 Jahren begann Matti Juhani S., seinen tödlichen Plan zu schmieden: Sechs Jahre lang hat der Finne seinen Amoklauf vorbereitet, bis er ihn am Dienstag ausführte, zehn Menschen tötete und anschließend sich selbst erschoss. Das ergab eine Durchsuchung seines Zimmers in einem Studentenwohnheim. Man habe viel Material gefunden, mit dem der Schüler an der Berufsschule von Kauhajoki seinen "grenzenlosen Hass auf alle Mitmenschen" zum Ausdruck gebracht habe, gab ein Kripo-Beamter am Mittwochmorgen im Fernsehen an.

Für Mittwoch wurde Staatstrauer angeordnet. Zum Zeichen der Trauer sind mittlerweile alle öffentlichen Gebäude in Finnland auf Halbmast beflaggt.

Ministerpräsident Matti Vanhanen kündigte unterdessen eine Verschärfung der Waffengesetze an. Die geltenden Bestimmungen müssten deutlich verschärft werden, sagte er dem Radiosender YLE. So soll beispielsweise die Erlaubnis auf den Prüfstand gestellt werden, kleinere Feuerwaffen ohne Auflagen im Haus zu haben.

Im November vergangenen Jahres hatte ein 18-Jähriger an seiner Schule in Südfinnland acht Menschen und anschließend sich selbst erschossen. Die Regierung hatte nach dieser Tat angekündigt, die Altersgrenze für den Kauf von Schusswaffen von 15 auf 18 Jahre heraufzusetzen. Dies geschah aber nicht. In Finnland befinden sich 1,6 Millionen Schusswaffen im Besitz von Privatpersonen. Das Land liegt damit Studien zufolge hinter den USA und dem Jemen weltweit an dritter Stelle.

"Wir haben einen tragischen Tag erlebt", sagte Regierungschef Vanhanen. Noch am Mittwoch wolle er den Schauplatz des Massenmordes in der westfinnischen Kleinstadt besuchen.

Amokläufer S. warf auch Brandsätze, Feuer flammte auf

Der 22-jährige Matti Juhani S. hat mit seiner Amoktat seine zuvor in Internet-Filmen geäußerten obskuren Drohungen in die Tat umgesetzt: Um elf Uhr Ortszeit soll er am Dienstag in die Palvelualojen-Oppilaitos-Berufsschule gestürmt sein. 150 von insgesamt 200 dort gemeldeten Schülern nahmen zu diesem Zeitpunkt dort am Unterricht teil.

S. suchte den Keller auf, wo eine Klasse mit naturwissenschaftlichen Experimenten beschäftigt war, und schoss auf die Anwesenden. Dort habe es die meisten Opfer gegeben, hieß es in Berichten von Augenzeugen.

Die Zeugen verfolgten mit, wie eine blutende Schülerin aus dem Schulgebäude flüchtete. Amokläufer S. soll auch Brandsätze geworfen haben, mehrere Feuer flammten im Schulgebäude auf. Einige seiner Opfer seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, hieß es.

In der Schule soll Panik ausgebrochen sein, als der Täter das Feuer auf seine Mitschüler eröffnete. Hausmeister Jukka Forsberg berichtete, zunächst Schüsse und Schreie gehört zu haben. "Dann kamen zwei Mädchen in mein Zimmer und sagten, dass ein unheimlicher Mann um sich schießt", sagte Forsberg. Er habe einen Mann gesehen, der eine große schwarze Tasche in einem Korridor abstellte, in einen Klassenraum ging und die Tür hinter sich schloss. "Ich habe durch das Fenster geguckt und er hat sofort auf mich geschossen", sagte Forsberg weiter. "Er hat auf mich gefeuert, aber ich bin im Zickzack gelaufen. Ich bin um mein Leben gerannt."

Seine Hobbys: Schießen, Schlagzeug spielen und Computer

S. schoss sich in den Kopf. Er soll danach in ein Krankenhaus in Tampere gebracht worden sein, wo er kurz darauf seinen Verletzungen erlag. Zehn seiner Mitschüler hatte er zuvor erschossen. Die Polizei fand inzwischen eine Botschaft des Schützen. "Wir haben eine Nachricht in seiner Wohnung gefunden, aber wir werden sie noch nicht veröffentlichen", sagte Ermittlungsleiter Jari Neulaniemi am Abend dem öffentlich-rechtlichen Sender YLE. Die Botschaft könne "in seinen Worten" vielleicht eine Art Erklärung für die "schreckliche Tat" liefern, sagte der Polizist.

"Ich lebe allein mit meiner Katze und will keine Kinder haben" - so soll sich Matti Juhani S. im Internet beschrieben haben. Er lebte im Studentenwohnheim von Kauhajoki, nannte als Hobbys "Schießen, Schlagzeug spielen und Computer".

Die Videos, die S. ins Internet gestellt hatte, wurden kurz nach dem Amoklauf gesperrt. Im Profil des Users sind die Worte zu lesen: "Und plötzlich war Krieg, und die Mütter schrien: nach Rache und Vergeltung für einen anderen Krieg."

Die Mitbewohner in seinem Studentenwohnheim beschrieben S. gegenüber der Zeitung "Iltalehti" als zurückhaltenden jungen Mann, der in seiner Wohnung gelegentlich Schlagzeug spielte. "Er hatte ein Elektroschlagzeug, auf dem er auch spät am Abend noch spielte. Er hatte keine Freundin. Er war ein ruhiger Mensch", sagt ein junger Berufsschüler.

Die Polizei vernahm S. einen Tag vor der Tat

"Er war wie jeder von uns. Ruhig, aber kein bisschen isoliert", erklärte eine Nachbarin.

Auch einem Polizeibeamten fiel weniger als 24 Stunden vor dem vielfachen Mord nichts Ungewöhnliches an dem Inhaber eines Waffenscheins mit dazugehöriger halbautomatischer Pistole vom Typ Walther P22 auf.

Der Beamte unterhielt sich mit S. wegen der Gewaltvideos auf "YouTube", die auch der Polizei aufgefallen waren, sah nach dem Gespräch jedoch keinen Grund zum Einschreiten. S. hatte im Sommer zum ersten Mal einen Waffenschein beantragt und ihn anstandslos bekommen.

jjc/dpa/AP/AFP

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