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06. Oktober 2014, 11:21 Uhr

Massengrab in Mexiko

Verdächtige gestehen Mord an 17 Studenten

In einem Massengrab in Mexiko wurden Dutzende verbrannte Leichen gefunden - möglicherweise die sterblichen Überreste von 43 vermissten Studenten. DNA-Tests sollen nun die Identität der Opfer klären.

Iguala - Die Hinweise verdichten sich, dass 43 in Mexiko vermisste Studenten Gewalttätern zum Opfer gefallen sind. Zwei Personen hätten gestanden, 17 der Studenten getötet zu haben, sagte der Generalstaatsanwalt des Staates Guerrero, Iñaky Blanco. Die Aussagen der Verdächtigen seien aber noch nicht bestätigt.

In einem Massengrab an dem Ort, an dem die Studenten zuletzt gesehen worden waren, wurden inzwischen 28 Leichen gefunden - manche Informanten sprechen von bis zu 34. Ermittler vermuten, dass die Opfer zum Ende eines Weges gefahren wurden, auf einen Hügel steigen mussten, dort umgebracht und in sechs Gruben verscharrt wurden.

Laut Augenzeugen sollen die Leichen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt sein. Verwandte der meisten Vermissten haben bereits DNA-Proben abgegeben, um einen Vergleich zu ermöglichen. Bis Ergebnisse vorliegen, wird es laut Blanco mindestens zwei Wochen dauern.

Die Lehramtsstudenten waren vor acht Tagen zum Spendensammeln in Iguala hundert Kilometer nördlich von Chilpancingo unterwegs. Nach ihrer Aktion kaperten sie mehrere öffentliche Busse, um zu ihrer Hochschule zurückzufahren. Polizisten aus Iguala eröffneten daraufhin das Feuer. Drei Studenten wurden getötet. Laut Augenzeugen wurden Dutzende weitere Studenten in Polizeifahrzeugen fortgebracht. Seitdem fehlte von 43 Studenten jede Spur.

Nach weiteren Schüssen auf einen Bus voll Fußballspieler wurden insgesamt 30 Menschen festgenommen, darunter 22 Polizisten sowie Mitglieder einer kriminellen Bande. Die Sicherheitskräfte werden verdächtigt, die Studenten Kriminellen übergeben zu haben.

Einige der Festgenommenen führten die Ermittler zu dem Hügel bei Iguala rund 200 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt. Dort wurde das Massengrab gefunden.

Blanco vermutet die Gang Guerreros Unidos hinter den Verbrechen. Die Bande soll auch mehrere Polizisten in ihren Reihen haben. Der verarmte Bundesstaat Guerrero ist geprägt von Bandengewalt und sozialen Unruhen. Allein in Iguala wurden in diesem Jahr schon 30 Leichen aus Massengräbern geholt.

Die staatlichen Bediensteten könne man "nicht wirklich als Polizei bezeichnen", sagte ein Vertreter des Bundesstaates. Tatsächlich sind gewalttätige Übergriffe von Polizisten in Mexiko keine Seltenheit.

ulz/AFP/AP

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