Massenprozess in Italien Richter verurteilt Mafiosi

Harter Schlag gegen das organisierte Verbrechen: Die italienische Justiz hat einen Mafia-Boss und sein Gefolge hinter Gitter gebracht. Die kriminelle Gruppe aus Kalabrien zählt zu den mächtigsten Gangster-Familien des Landes.


Reggio Calabria - In einem Massenprozess in Süditalien sind 93 mutmaßliche Mitglieder der kalabrischen Mafia zu insgesamt 568 Jahren Haft verurteilt worden. 130 Angeklagte mussten sich vor einem Gericht in Reggio Calabria verantworten, mehr als 30 wurden nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Strafe von insgesamt 1600 Jahren Gefängnis für 108 mutmaßliche Mitglieder der kalabrischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta gefordert - also deutlich mehr, als der Richter nun verhängte.

Am härtesten trifft es den angeblichen Mafia-Boss Giuseppe Commisso: Der 65-Jährige muss 14 Jahre und acht Monate absitzen. Unter den Verurteilten ist auch der 81-jährige Domenico Oppedisano, der nach Angaben der Justiz der "Hüter der Regeln" der kriminellen Gruppierung war. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die Angeklagten gehören zu einer Gruppe von insgesamt rund 300 mutmaßlichen Mafia-Mitgliedern, die bei einer großangelegten Polizeiaktion am 13. Juli 2010 festgenommen worden waren.

Die kalabrische 'Ndrangheta gilt in Ermittlerkreisen als die derzeit schlagkräftigste der großen italienischen Mafia-Organisationen. Laut der italienischen Zeitung "La Repubblica" handelt es sich um eine Organisation, die stark durch eine Machtkonzentration an der Spitze gekennzeichnet ist. Der Prozess gegen die 'Ndrangheta habe dem Bericht zufolge für Kalabrien die gleiche Bedeutung wie die Prozesse gegen die Cosa Nostra für Sizilien.

vks/dpa/AFP

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