Medienbericht Soko Mannichl steht angeblich vor Auflösung

Die Ermittlungsbilanz ist ungenügend: Nach der Messerattacke auf Passaus Polizeichef Alois Mannichl ist der Täter noch immer auf freiem Fuß, konkrete Spuren gibt es offenbar nicht. Deshalb soll die 50-köpfige Sonderkommission einem Magazinbericht zufolge aufgelöst werden.


Passau/München - Zwei Wochen nach dem vermutlich rechtsradikalen Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl ist unklar, wie die Ermittlungen fortgesetzt werden. Die Sonderkommission zur Aufklärung der Tat steht laut einem Bericht des "Focus" sogar vor der Auflösung.

Wie das Blatt unter Berufung auf Polizeikreise berichtet, soll sich eine neue Ermittlungsgruppe, geleitet vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA), des Falles annehmen. Die LKA-Beamten sollten noch einmal "bei Null" beginnen und in "wirklich alle Richtungen" ermitteln.

Ein Sprecher der Soko "Fürstenzell" in Passau wollte dies SPIEGEL ONLINE nicht bestätigen: "Wir wissen nichts davon. Und wir kommentieren das auch nicht." Auch das Landeskriminalamt bestätigte die "Focus"-Informationen am Samstag nicht.

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte: "Es ist ein ganz normaler Vorgang, dass man bei solchen Fällen verschiedene Möglichkeiten prüft, wie man die Ermittlungen fortführt." Eine Entscheidung über die weitere Sachbearbeitung sei aber bisher nicht getroffen.

Die 50-köpfige Sonderkommission "Fürstenzell" tappt unterdessen im Fall Mannichl weiter im Dunkeln. Die Soko habe mehrere Dutzend Hinweise erhalten und überprüft, sagte Polizeisprecher Klaus Pickel.

Befragungen in Mannichls Nachbarschaft

In Mannichls Heimatort Fürstenzell waren für Samstag erneut umfangreiche Befragungen geplant. "Wir wollen ein weiteres Mal mit allen Anwohnern rund um den Tatort sprechen", sagte Polizeisprecher Pickel. Bereitschaftspolizisten sollten am Nachmittag zehn bis zwölf Straßenzüge abarbeiten. Nach den Aufrufen mit Phantombildern seien auch über die Feiertage Hinweise aus ganz Deutschland eingegangen. "Jetzt muss jeder Hinweis penibel abgearbeitet werden, damit man keine Fehler macht", sagte Pickel. Eine neue Spur habe sich bisher nicht ergeben.

Alois Mannichl hatte den Mann, der ihm am 13. Dezember vor der Haustür ein Messer in die Brust gerammt hatte, als auffällig tätowierten Neonazi beschrieben. Seitdem wurden insgesamt vier Menschen festgenommen, unter ihnen ein Paar aus München, das zur rechtsradikalen Szene gerechnet wird. Alle Festgenommenen mussten jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt werden, da sich ein Tatverdacht nicht erhärten ließ.

NPD will in Passau gegen "polizeiliche Willkür" protestieren

Gefahndet wird derzeit nach einer Gruppe von vier Männern und einer Frau. Unklar ist bislang, ob die Gesuchten tatverdächtig sind.

Der Passauer Polizeichef war am 13. Dezember an der Tür seines Wohnhauses in Fürstenzell von dem Unbekannten mit den Worten "Viele Grüße vom nationalen Widerstand" niedergestochen und schwer verletzt worden.

Unter Mannichls Leitung war die Polizei im Landkreis Passau in der Vergangenheit immer wieder gegen Neonazis vorgegangen. Die Ermittler vermuten deshalb einen Racheakt von Rechtsextremisten.

Die Stadt Passau hatte vergangenen Dienstag mitgeteilt, dass die NPD am Samstag kommender Woche (3. Januar) gegen die Ermittlungen gegen Neonazis sowie die Berichterstattung über den Fall Mannichl demonstrieren will. Ein NPD-Mitglied hatte die Kundgebung bei der Stadtverwaltung unter dem Motto "Gegen polizeiliche Willkür und Medienhetze" angemeldet.

Mannichl: "Meine Kollegen sind für mich Helden!"

Man prüfe derzeit die Möglichkeiten, gegen den von den Rechtsextremisten angemeldeten Aufmarsch in der Stadt juristisch vorzugehen. "Die Öffentlichkeit wird auf dem Hintergrund der ungeklärten Umstände des Attentats auf Polizeidirektor Mannichl kein Verständnis dafür aufbringen, wenn zum jetzigen Zeitpunkt eine derartige Veranstaltung in unserer Stadt genehmigt wird", teilte Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) mit.

Der Passauer "Runde Tisch gegen rechts" wolle eine Gegendemonstration veranstalten, wenn die Stadt nach einer möglichen Gerichtsentscheidung die Neonazi-Versammlung zulassen müsse, sagte Dupper.

Alois Mannichl sagte der Zeitung "Passauer Woche" nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus: "Ich bin kein Held! Meine Kollegen, die rund um die Uhr arbeiten, sind für mich Helden!" Er lasse sich von den Rechtsradikalen nicht kleinkriegen und wolle möglichst bald wieder arbeiten.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte wegen des Attentats spezialisierte Kriminalbeamte für die Jagd auf Extremisten im Internet. Bund und Länder müssten dafür 500 Experten zur Verfügung stellen, so der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt. Hintergrund war, dass vor dem Mordanschlag unter anderem die NPD im Internet monatelang gegen Mannichl gehetzt hatte.

pad/dpa/ddp/AP

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