Memmingen 500 Kilo Kokain in Bananenkisten - sechs mutmaßliche Schmuggler vor Gericht

Das Memminger Landgericht macht einer mutmaßlichen Drogendealer-Bande den Prozess. Den sechs Männern wird vorgeworfen, eine große Menge Kokain per Lkw zu einem Obsthändler nach Neu-Ulm geschmuggelt zu haben.

In Bayern werden sechs mutmaßliche Drogendealer wegen des Schmuggels von fast 500 Kilogramm Kokain vor Gericht gestellt. Sie sollen das in Bananenkisten versteckte Rauschgift, nachdem es über dem Wasserweg aus Ecuador in die Niederlande gelangt sei, mit einem Lkw zu einem Obsthändler in Neu-Ulm gelotst haben, heißt es in einer Mitteilung des Landgerichts Memmingen.

Durch einen nächtlichen Einbruch bei dem Händler hätten sie sich die Drogen schließlich verschaffen wollen. Diese waren jedoch bereits im Vorfeld von der Polizei durch Imitate ausgetauscht worden. Die Polizei stellte die mutmaßlichen Täter mit den in Taschen umgeladenen Imitaten, mit einem Auto hätten sie die Ware beiseiteschaffen wollen. Der Händler indes soll von dem Kokain nichts gewusst haben.

Straßenverkaufspreis von mindestens 50 Millionen Euro - ungestreckt

Den Angeklagten legt die Staatsanwaltschaft bandenmäßiges unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zur Last. Das Gesetz sieht hierfür eine Freiheitsstrafe zwischen zwei und 15 Jahren vor. Die Angeklagten machten hierzu laut Gericht entweder keine Angaben oder erklärten, dass sie nichts von dem Kokain gewusst hätten - und aus anderen Gründen am Tatort gewesen seien.

Die Anklagebehörde geht davon aus, dass die sechs Männer im Alter zwischen 23 und 40 Jahren als Mitglieder einer Bande das Rauschgift gewinnbringend weiterverkaufen wollten. "Das Kokain hätte, rein vom Gewicht, einen Straßenverkaufspreis von etwa 50 Millionen Euro gehabt", teilte das Landgericht mit. "Aufgrund der ausgezeichneten Qualität hätte es jedoch auf ein Mehrfaches der Menge gestreckt werden können, wodurch sich der Endverkaufspreis entsprechend erhöht hätte."

Noch mehr Kokain als in diesem Fall hatten Ende Juni Hamburger Zöllner beschlagnahmt. In einem Container im Hamburger Hafen machten sie 1,5 Tonnen aus. Es war eine der größten Mengen, die je dort sichergestellt wurden. Einen noch größeren Fund präsentierten Zollbeamte vor rund einem Jahr: Damals stellten sie 4,5 Tonnen Kokain mit einem Straßenverkaufswert von knapp einer Milliarde Euro sicher.

Für den Prozess im Fall der sechs Männer in Bayern sind bislang acht Verhandlungstage angesetzt. Er beginnt am 15. Oktober im großen Saal der Stadthalle Memmingen.

apr
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