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Zirkusaffe Robby: Ein Schimpanse unter Menschen

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Eilverfahren in Lüneburg Robby bleibt vorerst ein Zirkusaffe

Seit 41 Jahren lebt Schimpanse Robby im Zirkus. Dann sollte er in einer Auffangstation an ein Leben unter Artgenossen gewöhnt werden - so wollten es die Behörden. Nun hat ein Gericht den Beschluss vorerst gekippt.

Robby ist der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus - und dort wird er vorerst auch bleiben. In einem Eilverfahren gab das Verwaltungsgericht Lüneburg dem Antrag des Zirkusdirektors statt. Er hatte gegen einen Beschluss des Landkreises Celle geklagt, der vorsah, dass Robby in einer Auffangstation für Wildtiere resozialisiert wird.

Seit 1980 lebt Schimpanse Robby, der in Gefangenschaft geboren wurde, im "Circus Belly". Artgenossen kennt er nicht, das 41 Jahre alte Tier ist an Zirkusdirektor Klaus Köhler und seine Familie gewöhnt.

Tierschützer kämpfen seit Jahren dafür, dass Robby den Zirkus verlässt. PETA begleitet jeden Auftritt des Zirkus' mit Protestaktionen. Der Menschenaffe werde unter "entsetzlichen Bedingungen" in Gefangenschaft gehalten. Ein Auftrittsverbot erwirkten die Aktivisten bereits vor Monaten.

Ein Leben unter Artgenossen

Nachdem eine Primatologin bei dem Schimpansen eine Fehlprägung auf den Menschen und ein chronisches Leiden festgestellt hatte, entschieden die Behörden im Oktober, dass das Tier den Zirkus zum Januar verlassen muss, um in einer Auffangstation für Wildtiere an ein Leben mit Artgenossen gewöhnt zu werden.

Zirkusdirektor Klaus Köhler klagt vor dem Verwaltungsgericht gegen den Beschluss. Er glaubt: Robby aus seinem gewohnten Umfeld zu reißen und mit Artgenossen zusammenzubringen, bedeute für das Tier den sicheren Tod.

Gestützt wird die Sicht des Zirkusdirektors durch ein Gutachten von Michael Böer, Facharzt für Wildtiere und Direktor des Zoos Osnabrück. Robby sei nicht vernachlässigt worden. "Der Schimpanse erscheint klinisch gesund und ist psychisch unauffällig", heißt es in Böers Stellungnahme. An Artgenossen sei der Affe aufgrund "weitestgehend irreversibler Sozialisation an den Menschen" nicht mehr zu gewöhnen. Er solle im Zirkus bleiben.

Tierschützer ärgert, dass Robby vorerst im Zirkus bleiben darf. Thomas Pietsch von der Tierschutzstiftung Vier Pfoten sagte: "Wir sind enttäuscht, dass das Gericht dem letzten Menschenaffen in einem deutschen Zirkus ein Leben außerhalb des Zirkuskäfigs fürs Erste verweigert hat." Zirkusdirektor Köhler reagierte dagegen erleichtert. Für ihn sei der Beschluss "das schönste Weihnachtsgeschenk".

Ob Robby langfristig im Zirkus bleiben darf, muss das Gericht noch entscheiden. Die Einzelhaltung eines Schimpansen sei nach Auffassung der Kammer zwar tierschutzwidrig. Eine Fortnahme des Tieres sei jedoch nur zulässig, wenn es erheblich vernachlässigt werde oder eine massive Verhaltensstörung vorliege. Dies müsse noch geklärt werden.

Der "Circus Belly" ist einer der letzten kleinen Familienbetriebe in Deutschland, die mit Tieren touren. Er hält zwei Tiger, zwei Löwen, zwei Alligatoren, Kamele und Pferde.

Aus dem SPIEGEL 48/2015
Foto: DER SPIEGEL
kes/dpa

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