Messerattacke auf Frankfurter Rabbiner Prozess beginnt mit Teilgeständnis

Er beschimpfte sein Opfer als "Scheiß-Juden" - dann stach er zu. Im Prozess um die Messerattacke auf einen Frankfurter Rabbiner räumte der angeklagte Deutsch-Afghane ein, den Orthodoxen attackiert zu haben, stellte die Attacke aber als Notwehr dar.


Frankfurt/Main - Der 43 Jahre alte Rabbiner beharrte darauf, dass der Angreifer ihm grundlos und ohne Vorwarnung ein Messer in den Bauch gerammt habe. Er überlebte den 18 Zentimeter tiefen Stich mit der 7,5 Zentimeter langen Klinge in den Unterleib nur durch eine Notoperation.

Die näheren Umstände der Tat vom 7. September 2007 sind entscheidend für die juristische Bewertung des Falls, der zunächst als versuchter Totschlag angeklagt worden war. Die Schwurgerichtskammer hat aber deutlich gemacht, dass auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes infrage kommt, falls Heimtücke und Antisemitismus als niedriger Beweggrund nachgewiesen werden könnten. Möglich ist auch eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung.

Zum Auftakt des Prozesses hatte sich der Angeklagte bei seinem als Nebenkläger auftretenden Opfer entschuldigt: "Es tut mir leid, was ich getan habe, dass ich Ihnen Angst und Schmerzen zugefügt habe".

Im Vorbeigehen habe er zu dem Rabbi, der wegen seines Bartes eindeutig als Jude zu erkennen gewesen sei, den arabischen Gruß "Salem Aleikum" gesagt, erklärte der Angeklagte Sahed A., der nach eigenen Angaben selbst kein Arabisch spricht.

Dies trifft auch auf den Rabbi zu, der gleichwohl am Tonfall erkannt haben will, dass es sich um eine Beleidigung gegen Juden gehandelt habe. Daraufhin habe er die Sache im Gespräch klären wollen. Mit einem sofortigen Messerangriff habe er nie gerechnet. Er habe nur überlebt, weil er sofort laut nach der Polizei gerufen und so den Täter in die Flucht geschlagen habe.

Dieser hätte seiner Einschätzung nach noch einmal zustechen können, tat dies aber nicht.

pad/dpa



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