Messerattacke in Berlin Angreifer wurde erst abgeschoben und später anerkannt

In Berlin stach ein Mann auf zwei Menschen ein. Nach SPIEGEL-Informationen wurde der Afghane bereits vor Jahren abgeschoben. Doch er kam zurück und durfte bleiben.
Straßenkreuzung in Berlin-Wilmersdorf nahe des Tatorts

Straßenkreuzung in Berlin-Wilmersdorf nahe des Tatorts

Foto: Christophe Gateau / dpa

Unvermittelt soll Abdul Malik A. am Sonntagnachmittag in Berlin-Wilmersdorf mit einem Messer auf eine 59-Jährige eingestochen und sie lebensgefährlich verletzt haben. Nach Polizeiangaben hatte sich der Afghane offenbar daran gestört, dass die Frau Gartenarbeiten verrichtete. Auch einen herbeieilenden Passanten soll der Angreifer mit seinem Messer attackiert haben.

Ein Richter schickte Abdul Malik A. wegen versuchten Mordes, schwerer und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft. Der 29-Jährige könnte an einer psychischen Erkrankung leiden. In der Vergangenheit war er in eine Psychiatrie eingewiesen worden. Wie in einem ähnlichen Fall in Würzburg im Juni  prüfen die Ermittler einen islamistischen Hintergrund. Anhaltspunkte dafür seien islamistische Äußerungen gegenüber den Polizisten, die den Berliner Tatverdächtigen festnahmen, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Im Berliner Landeskriminalamt (LKA) ermittelt die Abteilung 8, zuständig für Islamismus.

Recherchen des SPIEGEL legen nun Details aus der Asylgeschichte des Mannes offen. Demnach reiste A. erstmals Anfang Dezember 2015 nach Deutschland ein. Seinen Asylantrag erklärte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im April 2016 für unzulässig – der Afghane war zuvor bereits in Osteuropa registriert worden.

Gemäß der Dublin-Verordnung war damit Bulgarien für die Bearbeitung seines Asylantrags zuständig. Außergewöhnliche humanitäre Gründe, die Deutschland veranlassen könnten, A.s Fall dennoch zu bearbeiten, seien »nicht ersichtlich«, so das Bundesamt in seiner damaligen Entscheidung. Drei Monate später schob das Land Berlin Abdul Malik A. ab. Wie aus vertraulichen Behördenunterlagen hervorgeht, kehrte A. nach einer nur kurzen Einreisesperre zurück nach Deutschland, beantragte erneut Asyl – und wurde im Oktober 2017 als Flüchtling anerkannt.

In Berlin ging A. seither Gelegenheitsjobs nach. Mal heuerte er als Küchenhelfer an, mal als Kellner oder Mitarbeiter in einem Hotel. Erst vor drei Monaten verlängerten die Behörden seine Aufenthaltserlaubnis: Sie läuft noch drei weitere Jahre.

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