Messerattacke in München Verdächtiger litt wohl unter Verfolgungswahn

Am Tag nach den Messerangriffen in München gibt es weitere Erkenntnisse zum Tatverdächtigen: Der Mann habe sich bedroht und verfolgt gefühlt. Er wird nun in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

DPA

In München hat am Samstagvormittag ein Mann acht Menschen mit dem Messer und mit Schlägen verletzt. Wenige Stunden später wurde ein dringend Tatverdächtiger festgenommen.

Der Mann leide unter psychischen Problemen, sagte der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer. Der Mann habe in der Vernehmung ausgesagt, dass er sich "bedroht und angegriffen" fühlte. Außerdem habe er angegeben, die Geräusche eines Polizeihubschraubers hätten ihn von weiteren Angriffen abgehalten, sagte Wimmer.

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München: Acht Verletzte nach Messerangriff

Der Tatverdächtige wird in einem psychiatrischen Fachkrankenhaus untergebracht. Der Haftrichter erließ am Sonntagnachmittag nach Polizeiangaben einen sogenannten Unterbringungshaftbefehl. Wimmer sagte, der Mann lebe "in seiner eigenen Welt". Polizeipräsident Hubertus Andrä zufolge gibt es für die Tat "überhaupt keine Hinweise auf einen terroristischen, politischen oder religiösen Hintergrund".

Der mutmaßliche Täter ist nach Polizeiangaben ein in München gemeldeter Deutscher. Der Mann stamme aus Norddeutschland und hielt sich nach eigenen Angaben seit drei Monaten in der bayerischen Landeshauptstadt auf, sagte Wimmer. Er hatte in der Stadt allerdings keine feste Unterkunft.

Der Mann, der mit Fahrrad, Rucksack und Isomatte unterwegs war, trat demnach bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.

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Einige Opfer soll der Mann, der schon zuvor straffällig geworden war, unvermittelt angegriffen haben. Andere sprach er zunächst an und attackierte sie dann, so die Ermittler. Eine Frau und einen 12-jährigen Jungen hatte er den Ermittlungen zufolge geschlagen, sechs Männer hatte er mit einem Messer verletzt. Die Opfer stammten größtenteils aus München, zwei Angegriffene waren zu Besuch in der Stadt.

Derzeit versuchen die Polizisten, den Tathergang zu konstruieren. Das werde noch einige Zeit dauern, sagte Wimmer, da noch unklar sei, wo sich der Tatverdächtige zwischen den Angriffen mit seinem Fahrrad aufgehalten habe. Laut der Mordkommission konzentrierte sich der Radius aber auf den Münchner Stadtteil Au-Haidhausen.

abl/dpa

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