Schüsse von US-Grenzschützern 16-jähriger Mexikaner starb im Kugelhagel

Jose Antonio Elena Rodriguez wollte Drogen aus Mexiko in die USA schmuggeln, an der Grenze zum Bundesstaat Arizona wurde er von US-Beamten getötet. Nun zeigt ein Autopsiebericht: Die Grenzschützer schossen mindestens siebenmal auf den Teenager.

Grenzzaun zwischen Mexiko und Arizona: Hier soll der Teenager erschossen worden sein
AP

Grenzzaun zwischen Mexiko und Arizona: Hier soll der Teenager erschossen worden sein


Phoenix/Nogales - Was genau in der Nacht vom 10. Oktober 2012 an der amerikanisch-mexikanischen Grenze nahe der Ortschaft Nogales geschah, ist noch immer nicht aufgeklärt. Fest steht aber: Jose Antonio Rodriguez, 16 Jahre alt, starb in dieser Nacht, nachdem er Drogen über die Grenze geschmuggelt hatte. Er wurde von amerikanischen Grenzschützern erschossen.

Ein nun veröffentlichter Autopsiebericht der mexikanischen Behörden legt nahe, dass Rodriguez in einem Kugelhagel starb. Wie viele Schüsse den 16-jährigen Rodriguez tatsächlich trafen, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht von sieben, AP von acht Kugeln. Beiden Berichten zufolge soll Rodriguez Verletzungen erlitten haben, die darauf hindeuten, dass noch häufiger auf ihn geschossen wurde.

Die Lokalzeitung "Arizona Republic" berichtet auf ihrer Internetseite, elf Kugeln seien auf den Jungen abgefeuert worden. Nach Angaben der Zeitung lassen die Einschusswunden darauf schließen, dass der Junge am Boden gelegen hat, als er getroffen wurde.

In einem offiziellen Bericht schildert die US-Grenzbehörde den Vorgang wie folgt: Rodriguez sei mit einem weiteren Komplizen nachts zur mexikanisch-amerikanischen Grenze geschlichen. Die Beamten beobachteten, wie die beiden auf amerikanischer Seite ein Päckchen mit Drogen ablegten. Als die Jugendlichen aus dem US-Bundesstaat Arizona zurück nach Mexiko rannten, bewarfen sie die Beamten laut dem Bericht mit Steinen. Die Aufforderung, stehen zu bleiben, hätten die beiden Jugendlichen ignoriert. Ein Beamter habe daraufhin das Feuer eröffnet.

Kurz darauf fand man die Leiche des Jungen auf einem Bürgersteig in der angrenzenden mexikanischen Ortschaft Nogales.

Der Rechtsanwalt der Familie zieht nun eine Klage in Erwägung, da das Vorgehen der US-Beamten gegen den Teenager unangemessen gewesen sei. Die US-Grenzbehörde hat den Autopsiebericht bislang nicht kommentiert, mit dem Verweis auf eine andauernde Untersuchung des FBI.

"Ein ernsthaftes Problem zwischen den beiden Staaten"

Der gewaltsame Tod des 16-Jährigen hatte scharfe Kritik der mexikanischen Regierung nach sich gezogen. In einer Mitteilung verurteilte die Behörde für Auslandsbeziehungen die tödlichen Schüsse an der Grenze. Solche Todesfälle seien ein "ernsthaftes Problem zwischen den Staaten".

Durch Arizona führt eine der Haupthandelsrouten für Drogen- und Waffenschmuggler aus Mexiko. Das US-Ministerium für Heimatschutz kündigte an, seine bestehende Praxis der Grenzsicherung zu überprüfen. Bislang durften Beamte von ihren Waffen auch bei Steinwürfen Gebrauch machen, weil diese als potentiell tödlich eingestuft wurden. Häufig werfen Drogenkuriere als Ablenkungsmanöver mit Steinen.

Die Lokalzeitung "Arizona Republic" merkte auf ihrer Internetseite an, es sei eher unwahrscheinlich, dass die Steine, die die Kuriere über einen mehr als fünf Meter hohen Zaun werfen mussten, wirklich gefährlich gewesen seien.

Rodriguez ist bereits der zweite Teenager, der innerhalb von zwei Jahren durch Schüsse der US-Grenzposten getötet worden ist. Im Januar 2011 war ein 17-Jähriger gestorben, nachdem ein Beamter auf amerikanischer Seite das Feuer eröffnet hatte. Offenbar prüft das FBI derzeit nicht nur in Arizona einige Fälle, sondern auch im US-Bundesstaat Texas.

gam/Reuters/AP



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