Mexiko Angreifer rammen Fahrzeuge in Gefängnis – und befreien Bandenboss

Bei einer Attacke auf eine Haftanstalt in Zentralmexiko sind neun Insassen entkommen. Einer von ihnen soll einer Bande vorstehen – und war gerade erst wegen Mordverdachts festgenommen worden.
Ausgebranntes Auto nahe Tula

Ausgebranntes Auto nahe Tula

Foto: Ginnette Riquelme / AP

Der Einfluss von kriminellen Banden in Mexiko ist enorm. Auf der Gegenseite stehen die Sicherheitskräfte, die zwar aufgerüstet haben – dem Vorgehen der Kartelle aber trotzdem nicht genug entgegensetzen können. Und selbst, wenn es zu Festnahmen kommt, bedeutet das nicht in jedem Fall, dass die Verdächtigen auch wirklich in Haft bleiben.

Das belegt der jüngste Fall aus der zentralmexikanischen Stadt Tula. Unbekannte haben dort ein Gefängnis gestürmt und neun Insassen befreit. Die Bewaffneten verschafften sich in der Nacht zum Donnerstag Zugang zu der Strafanstalt, indem sie das Gebäude mit Fahrzeugen rammten.

Außerdem seien in der Nähe des Gefängnisses als Ablenkungsmanöver zwei Fahrzeuge in Brand gesteckt worden, teilte der Innenminister des Bundesstaates Hidalgo, Simón Vargas, mit.

Unter den entkommenen Häftlingen war der Anführer einer Bande, die unter anderem Treibstoffdiebstahl betreibt, wie örtliche Medien unter Berufung auf die Behörden berichteten. Der Mann war demnach erst wenige Tage zuvor wegen des Verdachts auf Mord und Entführung festgenommen worden.

Zwei Angehörige der Sicherheitskräfte wurden nach Angaben der Polizei bei der Aktion verletzt. Medienberichte, wonach die Kriminellen auch mindestens eine Autobombe gezündet hatten, wurden zunächst nicht bestätigt.

Kriminelle Banden zapfen in Mexiko immer wieder Pipelines an, um Benzin oder Gas zu stehlen. Bei der Explosion einer Benzinleitung in Hidalgo im Januar 2019 kamen mindestens 135 Menschen ums Leben.

Extrem hohe Mordrate in Mexiko

In Mexiko, wo rund 126 Millionen Menschen leben, werden nach jüngsten Zahlen im Schnitt mehr als 80 Morde am Tag registriert – in Deutschland waren es im gesamten vergangenen Jahr 245. Die meisten Taten werden nie aufgeklärt. Seit 2006 setzt die Regierung Bundestruppen zur Bekämpfung der Kartelle ein, mehr als 300.000 Menschen wurden seitdem getötet.

Es kommt immer wieder zu brutalen Übergriffen. Zuletzt hatte eine Schießerei zwischen rivalisierenden Banden an einem Strand bei Cancún die Touristen in der beliebten mexikanischen Urlaubsregion in Angst und Schrecken versetzt. Es habe eine Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Gruppen von Drogenhändlern im Ort Puerto Morelos gegeben, teilte die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Quintana Roo mit.

Ende Oktober war eine deutsche Touristin gestorben, als sie bei einer Schießerei in einer Bar im Urlaubsort Tulum zwischen die Fronten geriet. Eine weitere Frau aus Indien kam ebenfalls ums Leben. Der Ort liegt südlich von Cancún an der Karibikküste.

jok/dpa