Mexiko Drogenboss "El Chapo" in Geheimoperation verlegt

Untergrund-Gangster "El Chapo" Guzmán wurde in einer Geheimoperation in ein Gefängnis nahe der Grenze verlegt. Nun mehren sich die Anzeichen für eine Auslieferung in die USA.

Drogenboss Guzman nach seiner Festnahme
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Drogenboss Guzman nach seiner Festnahme


Er ist einer der bekanntesten Drogenbosse der Welt, berühmt geworden für seinen Ausbruch aus dem Gefängnis durch einen eigens dafür gegrabenen Fluchttunnel.

Doch zumindest aus mexikanischen Gefängnissen könnte der im Januar nach seiner Flucht erneut inhaftierte Joaquín "El Chapo" Guzmán demnächst vielleicht nicht mehr entwischen. Denn es mehren sich Anzeichen, dass seine Auslieferung in die USA, die nach seiner Verhaftung beantragt wurde, tatsächlich umgesetzt werden könnte.

Der ehemalige Drogenboss wurde nun in einer Geheimoperation vom Gefängnis Altiplano im Zentrum des Landes in das Hochsicherheitsgefängnis in Ciudad Juárez nahe der Grenze zu den USA verlegt.

Wie die Zeitung "El Universal" berichtete, erfolgte der Transport per Flugzeug und dann per Hubschrauber. Die Verlegung sei Teil einer Strategie der Regierung, um die Inhaftierung besonders gefährlicher Häftlinge sicher zu gestalten, hieß es. Seit September gab es bereits 7400 Verlegungen.

Erneute Blamage unbedingt verhindern

Guzmáns Anwälte betonen, dass die Verlegung nicht im Zusammenhang mit einer Auslieferung stehen würde. Sie hatten vor einiger Zeit versucht, eine einstweilige Verfügung zu erwirken - bisher ohne Erfolg. Das Innenministerium habe nun die zuständigen Richter angehalten, eine einstweilige Verfügung genau abzuwägen, berichtet der "Guardian".

Doch für Mexiko hätte eine Überstellung in die USA Vorteile. Dort wird Guzmán seine Beziehungen nicht mehr so einfach spielen lassen können. Zudem dürfte auch ein wiederholter Ausbruchsversuch schwieriger werden. Sollte ihm das in Mexiko zum insgesamt dritten Mal gelingen, würde Guzmán das Justizsystem erneut vorführen - diese Blamage will man unbedingt verhindern. Allerdings könnte "El Chapo" in den USA auch auspacken über seine Kontakte zu mexikanischen Beamten und Politikern.

Eine Auslieferung könnte direkt vom Gefängnis in Ciudad Juárez erfolgen, es liegt nur knapp 30 Kilometer vom texanischen Ort El Paso entfernt. Die US-Behörden werfen Guzmán unter anderem Mord, Drogenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Geldwäsche vor.

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Drogenboss Guzmán: Ende einer Flucht

Guzmán war im Juli 2015 durch einen anderthalb Kilometer langen Tunnel aus seiner Zelle im Hochsicherheitsgefängnis Altiplano geflohen. Er gilt als Kopf des Sinaloa-Kartells, eine der mächtigsten Mafia-Organisationen der Welt. Er lebte lange im Untergrund und schaffte es mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar auf die "Forbes"-Liste der weltweit reichsten Menschen.

"El Chapo", "der Kurze", kam 1957 im Dorf Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa zur Welt - als Sohn einer armen Bauernfamilie. Von dort stieg er zu einem der berüchtigtsten Kriminellen der Welt auf. Die US-Anti-Drogen-Behörde DEA bezeichnet sein Kartell als multinationalen Großkonzern des organisierten Verbrechens.

Erstmals aus dem Gefängnis flüchten konnte Guzmán 2001. Damals soll er ein Hochsicherheitsgefängnis angeblich in einem Wäschewagen verlassen haben. Auch der Mythos, er sei als Polizist verkleidet aus dem Gefängnis marschiert, hat sich gehalten.

joe/dpa

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