Misshandlungen in Mexiko Ermittler befreien Hunderte verwahrloste Kinder aus Heim

Sie wurden zum Betteln gezwungen und lebten unter menschenunwürdigen Bedingungen: Hunderte Kinder sind in Mexiko von Polizei und Armee aus einem Heim gerettet worden. Die Leiterin der Einrichtung wurde festgenommen.

Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam (l.), Governeur Salvador Jara: "schrecklicher Zustand"
DPA

Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam (l.), Governeur Salvador Jara: "schrecklicher Zustand"


Mexiko-Stadt - Soldaten und Polizisten haben im Westen Mexikos 458 Kinder aus einem mit Ungeziefer verseuchten Heim befreit. Nach Dutzenden Beschwerden sei das Gelände in der Stadt Zamora durchsucht worden, teilte Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam mit. Es seien auch 138 Erwachsene in der Einrichtung "La Gran Familia" (Die große Familie) im Bundesstaat Michoacán gegen ihren Willen festgehalten worden, sagte Chefermittler Tomás Zerón. Die Leiterin der Einrichtung sowie acht Mitarbeiter seien festgenommen worden.

Die Kinder hätten in dem Haus unter menschenunwürdigen Bedingungen gelebt, seien sexuell missbraucht sowie zum Betteln gezwungen worden, sagte Zerón. Zudem hätten sie auf dem Fußboden schlafen und sich von verfaulten Lebensmitteln ernähren müssen.

In der Einrichtung wimmelte es den Ermittlern zufolge von Ratten, Wanzen und Flöhen. "Ich bin tief bestürzt, weil wir diese Bedingungen in dem Heim nicht erwartet hätten", sagte Gouverneur Salvador Jara. Die Kinder seien in "einem schrecklichen Zustand", sagte Murillo Karam.

"La Gran Familia" wurde 1947 gegründet und kümmert sich eigenen Angaben zufolge um Kinder von überforderten Eltern. Die Einrichtung biete auch Schulbildung, heißt es auf ihrer Facebook-Seite. Finanziert wird die Organisation durch Spenden und von der Regierung.

Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch fünf Beschwerden von Eltern. Sie hatten sich bei den Ermittlern darüber beklagt, dass sie ihre Kinder weder in der Einrichtung besuchen noch nach Hause holen konnten. Eine der verzweifelten Familien habe sogar umgerechnet 770 Dollar geboten, um ihre Töchter freizukaufen, sagte Zerón.

Eine der Mütter, die zuerst auf die Missstände aufmerksam machten, ist laut Zerón eine Frau, die in der Einrichtung aufgewachsen war. Sie habe im Alter von 31 Jahren das Heim verlassen dürfen, ihre beiden Töchter jedoch nicht. Die Kinder seien auch von der Leiterin der Einrichtung als ihre eigenen registriert worden.

wit/dpa/AP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.