Massaker in Mexiko Identifizierung der getöteten Studenten vorerst gescheitert

Asche und Knochen - das ist alles, was von den getöteten 43 Studenten in Mexiko geblieben ist. Forensiker kommen nicht voran. Alle Hoffnungen liegen auf einer neuen Methode.

Angehörige der Vermissten: Wird es für die Familien Gewissheit geben?
DPA

Angehörige der Vermissten: Wird es für die Familien Gewissheit geben?


Mexiko-Stadt - Seit Monaten ist das genaue Schicksal von 43 Studenten in Mexiko ungeklärt. So gut wie sicher ist: Sie wurden entführt und ermordet. Bislang sind erst wenige Überreste gefunden worden. Nun erneut ein Rückschlag: Das forensische Institut in Innsbruck ist an der Identifizierung der vorhandenen Leichenteile vorerst gescheitert.

Es sei den Wissenschaftlern nicht gelungen, genügend Genmaterial aus der Asche und den Knochen zu isolieren, teilte die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft mit. Die Leichenteile seien zu stark verbrannt gewesen, um sie mit herkömmlichen Methoden zu identifizieren.

Ende September waren die Studenten in Iguala von der örtlichen Polizei verschleppt und der kriminellen Organisation "Guerreros Unidos" übergeben worden. Bandenmitglieder gestanden mittlerweile, die Studenten getötet und verbrannt zu haben. Das Massaker hatte ein Schlaglicht auf die engen Verbindungen zwischen Politikern, Polizisten und Verbrechern in Mexiko geworfen.

Erst ein Opfer konnte von den österreichischen Wissenschaftlern bislang identifiziert werden. Die Gerichtsmediziner setzen ihre Hoffnung nun in die sogenannte massive parallele Sequenzierung. Bei dieser Technik wird das Genmaterial aufgespalten und geklont. Ein künstlich erzeugter DNA-Strang wird um jeweils einen der vier DNA-Bausteine ergänzt. Entspricht die Sequenz der Vorlage, können die Wissenschaftler dies messen.

Möglicherweise liefere diese Methode noch neue Erkenntnisse, hieß es in einem Schreiben des Instituts. "Wir können keine Schätzung über die Aussichten abgeben, aber die Methode ist die erfolgsversprechendste, die es gibt." Allerdings bestehe die Gefahr, dass die Proben während der Genanalyse vernichtet werden, ohne dass ein Ergebnis erzielt werde. Es ist also die letzte Hoffnung auf Gewissheit. Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft erteilte der Gerichtsmedizin an der Universität Innsbruck trotz der Schwierigkeiten den Auftrag, die Identifizierung mit der vorgeschlagenen Methode fortzusetzen.

Erst vor wenigen Tagen war der mutmaßliche Drahtzieher des Massakers angeklagt worden: Der Bürgermeister der Stadt Iguala, José Luis Abarca, gilt als Verantwortlicher. Er soll die Tat angeordnet haben, um zu verhindern, dass die Studenten eine Kundgebung seiner Ehefrau María de los Ángeles Pineda Villa störten. Pineda Villa wurde bereits am 6. Januar angeklagt. Sie muss sich wegen mutmaßlicher Verbindungen zum organisierten Verbrechen, Drogenhandels, Geldwäsche und Entführung verantworten.

kis/dpa

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