Mexiko Säugling stirbt nach Kopfschuss bei Schießerei

In Mexiko ist es zu weiteren schweren Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und mutmaßlichen Mitgliedern der mächtigen Drogenkartelle gekommen. Im Norden des Landes fanden Soldaten nach einer Schießerei 72 Leichen. Ein sechs Monate altes Baby starb an den Folgen eines Kopfschusses.
Trauer beim Begräbnis des kleinen Francisco in der Gewaltmetropole Ciudad Juarez

Trauer beim Begräbnis des kleinen Francisco in der Gewaltmetropole Ciudad Juarez

Foto: ALEJANDRO BRINGAS/ REUTERS

Mexiko-Stadt - Die Identität der 58 Männer und 14 Frauen, die Marineinfanteristen in einem ländlichen Gebiet im Norden Mexikos fanden, ist bisher nicht bekannt. Bei einer vorausgegangenen Schießerei waren ein Soldat und drei Verdächtige getötet worden, wie die Marine am Mittwoch bekannt gab. Mexikanische Drogenkartelle nutzen häufig leere Grundstücke oder Minenschächte, um sich der Leichen von Entführungsopfern oder Mitgliedern rivalisierender Banden zu entledigen.

Jetzt ist auch ein sechs Monate altes Baby Opfer des brutalen Drogenkrieges geworden: Der kleine Francisco Iran Garibay Dominguez starb zwei Tage, nachdem er im Haus seiner Eltern in der berüchtigten Banditenhochburg Ciudad Juarez von einer Kugel in den Kopf getroffen worden war. Dies teilte die Justizbehörde des Bundesstaates Chihuahua am Dienstag mit.

Auftragsmörder hatten am Samstag einen Mann verfolgt, der in dem Haus Schutz suchte. Wie die Behörde mitteilte, töteten die Killer den Mann im Badezimmer, bevor sie in einem anderen Zimmer auf das Baby schossen. Die Millionenmetropole Ciudad Juarez an der Grenze zum US-Bundesstaat Texas ist Brennpunkt des Kampfes zwischen den mexikanischen Drogenbanden.

Geköpfte Leichen als Warnsignal

In der kleinen Stadt Casas Grandes in derselben Grenzregion wurden nach Behördenangaben die geköpften Leichen eines 15-jährigen Jungen und seines Onkels entdeckt. Die Köpfe wurden im Zentrum der Stadt gefunden, wo sie gut sichtbar abgelegt worden waren. Zudem meldeten die Behörden den Fund zweier verstümmelter Leichen an einer Straße, die zum Urlaubsort Acapulco an der Pazifikküste führt. Die Leichen hingen demnach von einer Brücke herunter.

Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) vermutet, dass es hier einen Mädchenhandel-Ring gibt. Seit 2007 habe sich die Zahl der verschwundenen jungen Frauen vervierfacht, sagte ein Anwalt der Organisation, David Pena, am Dienstag (Ortszeit) in Mexiko-Stadt. Während es 2007 noch sieben Verschwundene in Ciudad Juarez gewesen seien, seien 2010 bereits 26 Frauen als vermisst gemeldet worden. Zwischen 1993 und 2003 wurden im Bundesstaat Chihuahua mehr als 400 junge Frauen ermordet.

Der Vorsitzende von Amnesty International in Mexiko, Alberto Herrera, erklärte, die Behörden in Chihuahua seien "sehr zögerlich" mit der Eröffnung von Ermittlungen. Seit dem Amtsantritt von Präsident Felipe Calderon 2006 wurden bei Kämpfen der Drogenkartelle sowie bei Zusammenstößen zwischen Banden und Sicherheitskräften rund 28.000 Menschen getötet.

Pressefreiheit bedroht

Immer wieder kommt es in Mexiko auch zu Übergriffen auf unabhängig berichtende Journalisten. Jetzt haben die Vereinten Nationen und die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) Alarm geschlagen: Die Meinungsfreiheit in Mexiko werde durch Morde an Journalisten schwer behindert, heißt es in einem am Dienstag in Mexiko-Stadt vorgelegten Bericht der beiden internationalen Organisationen. Nach der Entführung von vier Journalisten durch Drogenbanden Anfang Juli dieses Jahres hatten die Berichterstatter Frank La Rue (UN) und Catalina Botero (OAS) die Lage der Pressefreiheit vor allem im Norden Mexikos untersucht.

Laut Angaben der mexikanischen Menschenrechtskommission sind in Mexiko in den vergangenen zehn Jahren 64 Journalisten getötet worden. Elf gelten als vermisst. Demnach werden die meisten Journalisten Opfer der organisierten Kriminalität. Es lägen allerdings auch Beschwerden gegen Polizisten, Militärs und staatliche Funktionäre vor.

Eine weitere Gefahr für die Pressefreiheit gehe außerdem von der Konzentration und Monopolstellung insbesondere der elektronischen Medien in den Händen weniger Eigentümer aus, kritisierten die Berichterstatter.

ala/AFP/apn/dpa
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