Tote und Vermisste in Mexiko Tausende Studenten protestieren gegen Polizeigewalt

Dutzende ihrer Kommilitonen werden vermisst, mehrere wurden erschossen: Tausende Studenten haben in Mexiko gegen Polizeigewalt protestiert. 22 Polizisten wurden festgenommen - ihnen werden die Tötungen und das Verschwinden der Studenten angelastet.

Protestierende Studenten: Forderung nach Freiheit und Gerechtigkeit
AFP

Protestierende Studenten: Forderung nach Freiheit und Gerechtigkeit


Mexiko-Stadt - Nach einem Einsatz der Sicherheitskräfte im Südwesten von Mexiko sind Tausende Studenten gegen Polizeigewalt auf die Straße gegangen. Sie zogen am Montag durch die Provinzhauptstadt Chilpancingo und forderten Aufklärung über das Schicksal von 57 vermissten Kommilitonen. Seit den Auseinandersetzungen am Wochenende gibt es keine Hinweise auf den Verbleib der jungen Leute.

Die Demonstranten griffen das Regionalparlament des Bundesstaats Guerrero an und warfen Steine sowie Brandsätze. Zudem sprühten sie Graffiti an die Wände wie "Massaker von Iguala - Kein Vergessen, keine Vergebung", wie die Zeitung "El Universal" berichtete.

In der Stadt Iguala hatten Polizisten zwei Studenten erschossen, als diese für eine Protestaktion mehrere Busse besetzen wollten. Die Polizisten hätten unverhältnismäßig Gewalt angewendet, als sie gegen die Studenten vorgingen, sagte der örtliche Staatsanwalt Iñaky Blanco. "Es gab keine Rechtfertigung dafür, Schusswaffen einzusetzen. Ich gehe davon aus, dass das strafrechtliche Konsequenzen haben wird."

22 Polizisten wurden festgenommen und in die Hafenstadt Acapulco gebracht. Die Sicherheitsbehörden befürchteten, Angehörige könnten versuchen, sie zu befreien. Es gebe Hinweise, dass die Polizisten auch in das Verschwinden der Studenten verwickelt seien, sagte Blanco.

In Iguala, rund 185 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt, sollen nun bis auf weiteres Bundespolizisten und das Militär für die Sicherheit der 140.000 Einwohner sorgen. Es würden gemeinsame Kontrollposten eingerichtet und Patrouillen eingesetzt, teilte die Regionalregierung mit.

Kurz nach den tödlichen Schüssen auf die Studenten eröffneten Unbekannte das Feuer auf Busse und Autos und töteten drei weitere Menschen. Zuvor war bereits die Leiche eines jungen Mannes gefunden worden, dem die Haut abgezogen worden war. Laut Blanco sind für diese Taten möglicherweise kriminelle Organisationen verantwortlich.

Guerrero gilt als der gefährlichste Bundesstaat Mexikos. Mit mehr als 61 Morden je 100.000 Einwohner liegt die von der Drogenkriminalität erschütterte Region noch weit vor den Rauschgifthochburgen Sinaloa, Michoacán und Tamaulipas.

ulz/dpa



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