Gewaltwelle Mordzahlen in Mexiko steigen auf historisches Hoch

Gewalt gehört in Mexiko zum Alltag, dieses Jahr sind schon fast 10.000 Menschen getötet worden. In den vergangenen Monaten stieg die Zahl der Morde nochmals und erreichte im Mai ein historisches Hoch.

Demonstration gegen Gewalt in Mexiko (Archivbild)
DPA

Demonstration gegen Gewalt in Mexiko (Archivbild)


Die Gewalt in Mexiko eskaliert, alleine im Mai sind in dem Land 2186 Menschen getötet worden, teilte das Amt für öffentliche Sicherheit mit. Es ist der höchste Wert seit Beginn der systematischen Erhebung vor 20 Jahren. Seit Jahresbeginn gab es bereits 9916 Morde oder Totschläge und damit 29,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: In Deutschland wurden im gesamten vergangenen Jahr 876 Menschen getötet.

"Ziemlich düster, aber nicht schockierend, nachdem was wir die vergangenen Monate erlebt haben", sagte der mexikanische Sicherheitsanalyst Alejandro Hope. Die Zahlen übersteigen sogar jene der blutigsten Periode im Drogenkrieg während der Amtszeit von Präsident Felipe Calderón (2006 bis 2012), der Tausende Soldaten und Polizisten in den Kampf gegen die Verbrechersyndikate schickte. Der bislang gewalttätigste Monat war der Mai 2011 mit 2131 Tötungsdelikten.

Die Gewalt hatte zuletzt noch einmal zugenommen, weil Festnahmen und Tötungen von mächtigen Drogenkartellbossen interne Machtkämpfe um die Nachfolge ausgelöst hatten. Auch die Festnahme und Auslieferung von Joaquín "El Chapo" Guzmán und die damit verbundene Schwächung des Sinaloa-Kartells gehören laut Hope dazu. Auch das vermehrte Schmuggeln von Heroin und die mangelhafte Reaktion der Bundespolizei hätte zu der Gewaltwelle beigetragen.

Außerdem konkurrieren zunehmend immer kleinere Banden um Geschäftsanteile und Einflusszonen. Die Verbrechersyndikate sind auch in Schutzgelderpressung, Menschenhandel und Benzindiebstahl verwickelt.

max/dpa/AP



insgesamt 6 Beiträge
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Worldwatch 22.06.2017
1. Mordxiko
Ist es übertrieben bzgl. Mexiko, diesem wunderschönen Land, von 'failed state' zu sprechen? Wo nichts mehr geht, ohne das die diversen, mächtig gewachsenen, unbeschreiblich brutalen Drogen- und Mafiakartelle, den Lauf des ?Staates? diktieren, und jeden Staatssektor unterwandert zu haben scheinen. Egal, scheinbar, welche Administration sich die Bürger in Mexiko auch erwählten; die wirkliche Macht im Staate, und in den erschreckend wachsenden 'no-go Regionen', scheinen nur noch die Kartelle und Korruption zu haben. Freie Presse, Buergerrechte, S&O ... zunehmend Fehlanzeige. Unternehmen die aussehen wie Festungen. Wie soll es weitergehen in und mit Mexiko?
novalis28 22.06.2017
2. Vielleicht
hat Trump doch recht!
peschi.mittelamerika 22.06.2017
3. auch wenn die Zahl von Morddelikten in Deutschland
erschreckend hoch ist, so scheint mir der angegbene Wert für 2016 in dem Bericht nicht korrekt zu sein. Laut Statistiker-Portal waren 2016 nicht 876 Morde, sondern "nur" 373 zu verzeichnen. Nebenbei bemerkt: Es mag zynisch klingen, ich wäre heil froh, wenn es 2016 hier vor Ort - El Salvador - "nur" noch 876 Morde gegeben hätte. Es waren ca. 5.000 - genau weiß man das angeblich nicht - und das bei einer Einwohnerzahl von geschätzten 6 Millionen. (Auf Deutschland hochgerechnet würde das ca. 70.000 Morden entsprechen.) Dieses eigentlich wunderbare Land hatte 2016 neben Handuras die höchste Mordrate auf der ganzen Welt, nicht Mexico oder Südafrika wie viele vermuten. Grüße aus El Salvador
Chilango 22.06.2017
4. Das Grundproblem
in Mexiko ist das Politik, Polizei und Banden oftmals ein und dasselbe ist. Die erste Grundregel die man hier als Deutscher lernt. Gehe nicht zur Polizei. Sie ist nicht dein Freund und Helfer. Vor Jahren hatte der Deutschlandfunk ein Radiofeature über eine Deutsche, die in den Bergen von Puebla (oder Veracruz) mit ihrem mex. Ehemann von den lokalen Drogenbossen ermordet wurden da auf den Ländereien ihres Mannes Drogen angebaut wurden. Der Drogenboss vor Ort ist Kumpel des lokalen Polizeibosses. Auch die deutsche Botschaft hat kapituliert. Nur ein geringer einstelliger Prozentsatz alle Verbrechen werden aufgeklärt. Und ich kenne einen Fall persönlich wo einfach ein Freund verknackt wurde und es 6 Monate dauerte ihn aus dem KNast herauszubekommen. Es wird nicht wirklich ermittelt. Wenn man jemanden hat ist man froh den Fall schliessen zu können. Etwas anderes ist es natürlich wenn die Elite mit entsprechenden Kontakten der Leidtragende ist. Auch deshalb gehen viele nicht zur Polizei sondern "regeln das selbst". Schusswaffen sind genug im Umlauf
Chilango 22.06.2017
5. Falls jemand Mexiko verstehen möchte
Hier einige Filme 1. La ley de Herodes (Herods Law) 2. La dictatura perfecta 3. Presunto culpable Auch "Man on Fire" mit Denzel Washington zeigt die Verbindungen zwischen Politik und Verbrechen vor Ort ganz gut
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