Mexiko Zeitung kapituliert vor Drogenkartellen
Ciudad Juárez - Die führende Tageszeitung in Mexikos Drogenhochburg Ciudad Juárez hat an die rivalisierenden Rauschgiftkartelle appelliert, ihre Gewalttaten gegen Journalisten des Blattes einzustellen. "Wir wollen, dass Sie uns erklären, was Sie von uns wollen - was wir veröffentlichen sollen und was wir nicht mehr veröffentlichen sollen", wandte sich das "Diario de Juárez" in einem am Sonntag veröffentlichten Leitartikel auf seiner Titelseite direkt an die Drogenbosse.
Wenige Tage zuvor waren zwei Fotografen des Blattes von unbekannten Tätern beschossen worden. Der eine starb, der andere wurde schwer verletzt. Es handelte sich um den zweiten Mitarbeiter des "Diario de Juárez", der innerhalb von weniger als zwei Jahren getötet wurde.
Das Blatt richte seine Fragen an die Kartelle, weil "das, was wir am wenigsten wollen, ist, dass ein weiterer unserer Kollegen zum Opfer Ihrer Kugeln wird", hieß es in dem Leitartikel. Die Zeitung bezeichnete darin die Kartelle als die "De-facto-Machthaber in dieser Stadt", da die Regierung nicht verhindert habe, "dass unsere Kollegen weiter sterben".
Trotz massiver Präsenz von Polizei und Armee fielen in der Stadt allein in diesem Jahr bereits mindestens 2000 Menschen den Gewalttaten der Kartelle zum Opfer. Für Journalisten ist Mexiko nach Angaben von Bürgerrechtsorganisationen eines der gefährlichsten Länder der Welt.
Seit Präsident im Jahr 2006 eine Militäroffensive gegen das organisierte Verbrechen gestartet hatte, starben oder verschwanden nach Angaben des in New York ansässigen Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) in dem lateinamerikanischen Land mehr als 30 Medienvertreter.
Einsatz der Polizei: Sicherheitskräfte sperren einen Tatort in Monterrey ab, an dem Bewaffnete versucht hatten, einen Regierungsbeamten zu entführen. Die Drogenkartelle griffen zuletzt verstärkt Politiker an, im Juni etwa wurde Manuel Lara Rodríguez, der Bürgermeister der Kleinstadt Guadalupe, vor den Augen seiner Frau und Tochter ermordet.
Schwere Waffen: Eine Gruppe Bewaffneter attackiert im Juli die Polizei mit Granaten auf der Hauptstraße von Juarez.
Auf Spurensuche: Kriminaltechniker untersuchen einen Tatort in der Nähe der Stadt Monterrey. Im Juni wurden hier zwei tote Frauen und drei tote Männer aufgefunden. Vier der Körper hatten eine Nachricht per Eispickel an die Brust geheftet: Eine Warnung an all jene, die mit dem rivalisierenden Drogenkartell zusammenarbeiten. In Mexiko kämpfen die Banden gegeneinander. Seit dem Jahr 2006 sind im Krieg der Kartelle mehr als 25.000 Menschen getötet worden.
Nach der Attacke: Ein Polizist steht im Juni vor seinem Hauptquartier in der Nähe von Monterrey Wache. Soeben wurde es von Gangstern angegriffen.
Wachablösung: Eine Autokolonne mit Soldaten erreicht im März die mexikanische Grenzstadt Juarez. Präsident Felipe Calderón hat seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren Zehntausende Soldaten in den Krieg gegen die Rauschgiftmafia geschickt. Mit dem härteren Vorgehen ist allerdings auch die Gewalt eskaliert.
Gefangene gemacht: Die mexikanische Bundespolizei präsentiert Mitte Juli neun mutmaßliche Mitglieder des mächtigen Sinaloa-Kartells in der Hauptstadt Mexico-City. Sie werden mit dem Mord an zwei Polizeiagenten in Verbindung gebracht.
Grausame Morde: Die Körper zweier Männer hängen im April an einer Brücke in der Nähe des Industriegebietes von Cuernavaca, nahe der Hauptstadt. Offenbar wurde mehrfach auf die Männer geschossen, während sie gefesselt und geknebelt von der Brücke hingen.
Massengrab: In der Nähe von Monterrey finden Kriminaltechniker und mexikanische Militärs im Juli die Überreste von etwa 50 Menschen. Offenbar handelt es sich um Opfer im Drogenkrieg.
Autobombe: Direkt an der Grenze zu den USA, in der Stadt Juarez, hat ein mexikanisches Drogenkartell im Juli per Sprengsatz vier Menschen getötet.
Letzte Ruhe: Viele der Toten auf diesem Friedhof in der Nähe von Juarez sind Opfer der Gewaltkriminalität durch die Drogenkartelle geworden. Juarez, das direkt an der Grenze zu den USA liegt, hat sich zu einer der gefährlichsten Städte weltweit entwickelt. Die Banden kämpfen hier um die lukrativen Drogenkorridore entlang der Grenze.
Angriff auf Beamte: In diesem Wagen wurden der Sicherheitschef und eine Wache des Gefängnisses von Juarez attackiert - der Wachmann starb noch am Tatort.
Trauer in der Grenzstadt: Mehrere Menschen beklagen die Todesopfer einer Schießerei in Juarez. Einige der Getöteten waren offenbar Studenten.
Brennende Rauschmittel: Mexikanische Soldaten beobachten im Juli einen Stapel Marihuana, den sie außerhalb Monterreys in Brand gesetzt haben.
Tote im Auto: Die Polizei inspiziert einen Wagen in Monterrey, in dem fünf leblose Männerkörper gefunden wurden. Sie zeigten Zeichen von Folter, zwei Tote waren zuvor gekidnappte Polizisten.
Polizei im Visier: Immer wieder werden Polizisten Opfer von Anschlägen der Drogenbanden.
Waffensammlung: Mexikanisches Militär zeigt die Beute nach einem Kommandounternehmen gegen ein Trainingscamp der Drogenkiller. Es handelt sich unter anderem um Maschinenpistolen, Gewehre und Granaten.
Unterwanderung: Manch einer erkennt in Mexiko schon "Drogenterrorismus". Politik, Justiz, Polizei und auch Medien sind von den Kartellen unterwandert, werden teilweise von ihnen kontrolliert. Im Bild sind Polizisten zu sehen, die wegen ihrer Verbindung zu Drogenbanden und zur organisierten Kriminalität festgenommen wurden.
Straßenblockade: Mitten auf einer Schnellstraße steht dieser Laster. Mehr als vier Stunden blockierten Bewaffnete die Straße nach Reynosa im März - mit gestohlenen Fahrzeugen bauten sie eine Barrikade, um Polizisten vom Durchkommen abzuhalten.
Abgebranntes Auto: In diesem Wagen nahe Juarez fanden Kriminaltechniker im Januar die Überreste eines zuvor erschossenen Mannes.
Armee gegen Drogen: Wie viele mexikanische Soldaten die Kartelle bekämpfen
Teurer Krieg: Die Militärausgaben steigen - auch wegen des Kampfs gegen die Kartelle.
Tödlicher Kampf: Seit zwei Jahren eskaliert die Lage in Mexiko.
Globales Geschäft: Welche Drogen auf welchem Kontinent die größten Probleme machen - Anteile der Therapiefälle nach Drogentypen
Der Welthandel mit Opiaten: Wie die Droge aus Asien in den Westen kommt
Drogenkonsum am Beispiel von Opiaten: Bei Heroin sind die Industriestaaten der größte Abnehmer - vor allem Russland und Europa haben hier ein Problem. Die Vorform Opium wird vor allem in Iran konsumiert.
Der Welthandel mit Kokain: Die Droge kommt vor allem über Venezuela nach Europa - und vor allem über Mexiko in die USA.
Woher die Drogen kommen - Haschisch: Mexiko ist der führende Produzent von Cannabis-Kraut.
Opium: Mit Abstand die größte Menge kommt aus Afghanistan, auch Pakistan. Dort gab es nur unter den Taliban 2001 einen größeren Produktionseinbruch.
Kokain: Die südamerikanischen Staaten sind die wichtigsten Herstellerländer, allen voran immer noch Kolumbien. Die Wege in die USA führen oft über Mexiko.
Drogenmarkt USA: Die größten Süchtigmacher der Nation - viele Drogen kommen aus dem Süden, über Mexiko.