Prozess um Schumacher-Berichterstattung "Bunte" muss 50.000 Euro zahlen

Es geht um die Verletzung von Persönlichkeitsrechten: Das Hamburger Landgericht hat die Zeitschrift "Bunte" zur Zahlung von 50.000 Euro Entschädigung an Michael Schumacher verurteilt.

Michael Schumacher (Archiv)
REUTERS

Michael Schumacher (Archiv)


Im Zivilprozess um die Berichterstattung über den Gesundheitszustand von Ex-Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher ist ein Urteil gefallen: Wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte muss die "Bunte" 50.000 Euro Entschädigung an den 48-Jährigen zahlen. Die Pressekammer des Hamburger Landgerichts entschied zudem, dass die Zeitschrift die Abmahnkosten in Höhe von 950 Euro und die Prozesskosten zu 65 Prozent tragen muss.

Die "Bunte" hatte im Dezember 2015, zwei Jahre nach dem schweren Skiunfall Schumachers, auf ihrer Titelseite berichtet: "Es ist mehr als ein Weihnachtswunder - Michael Schumacher kann wieder gehen." Das wurde von seinen Anwälten dementiert.

Die Vorsitzende Richterin Simone Käfer sagte: "Die Kammer geht davon aus, dass diese Aussage unwahr ist." Der frühere Rennfahrer könne jetzt nicht gehen, warum habe er es vorher können sollen? Das Gericht habe sich aber davon überzeugt, dass die "Bunte" einen Informanten hatte. Die Zeitschrift habe recherchiert. Sonst wäre die Geldentschädigung noch höher ausgefallen.

Mehrere Prozesse

Die Familie von Schumacher hatte mindestens 100.000 Euro gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es kann Berufung beim Oberlandesgericht eingelegt werden.

Die Pressekammer am Hamburger Landgericht hatte bereits vor einem Monat einen Termin zur Urteilsverkündung angesetzt, die Entscheidung dann aber vertagt. Bei der Befragung der stellvertretenden Chefredakteurin der Zeitschrift, Tanja May, über ein Treffen mit einem Informanten hatte das Gericht die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Schumacher hatte bei dem Skiunfall Ende 2013 in Méribel ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Seit September 2014 befindet er sich bei seiner Familie im schweizerischen Gland. Details über seinen Gesundheitszustand sind weiterhin nicht bekannt.

Seine Frau Corinna ging schon in den vergangenen Jahren gegen die Boulevardpresse vor. Sie setzte 2014 Unterlassungen gegen "Bunte", "Super Illu" und "Neue Woche" durch. Auch der SPIEGEL-Verlag erhielt im Februar 2014 eine Unterlassungsmitteilung von Corinna Schumacher und verpflichtete sich, zwei Fotos, die Corinna Schumacher vor dem Krankenhaus zeigten, aus dem Netz zu nehmen.

Die Funke Mediengruppe musste Corinna Schumacher 60.000 Euro Entschädigung zahlen. Das entschied das Oberlandesgericht Hamburg in letzter Instanz Anfang Februar dieses Jahres.

wit/dpa



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