Prozess in Dinslaken Michael Wendler erscheint nicht vor Gericht – Sitzungshaftbefehl erlassen

Ein Gericht will Michael Wendler per Haftbefehl zwingen, an dem Prozess gegen ihn teilzunehmen. Der Sänger hatte zuvor einen Strafbefehl nicht akzeptiert.
Michael Wendler: Wegen Beihilfe zum Vereiteln einer Zwangsvollstreckung angeklagt

Michael Wendler: Wegen Beihilfe zum Vereiteln einer Zwangsvollstreckung angeklagt

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Das Amtsgericht Dinslaken hat gegen den umstrittenen Schlagersänger Michael Wendler einen sogenannten Sitzungshaftbefehl erlassen. Der 49-Jährige war als Angeklagter in einem Prozess nicht erschienen.

Der Haftbefehl gilt, bis Wendler, der inzwischen in den USA lebt, seiner Ladung vor Gericht nachkommt. Er sei ordnungsgemäß zu den mehrfach verschobenen Gerichtsterminen geladen worden und fehle nun unentschuldigt, sagte ein Sprecher. Es sei allerdings unklar, ob ein solcher Haftbefehl in den USA überhaupt vollstreckt werde.

Einspruch gegen Strafbefehl

Die Staatsanwaltschaft wirft Wendler vor, Beihilfe zum Vereiteln einer Zwangsvollstreckung geleistet zu haben. Deswegen war ein Strafbefehl erlassen worden, gegen den der Sänger allerdings Einspruch einlegte. Daher kam es nach mehreren verschobenen Terminen nun zum Prozess.

Wendler sollen – so der Vorwurf im Strafbefehl – Autorenanteile an mehr als 150 Musiktiteln überschrieben worden sein, um das Vermögen des ursprünglichen Rechteinhabers vor der Vollstreckung zu bewahren. In derselben Absicht soll ihm ebenfalls vom ursprünglichen Rechteinhaber die Wortmarke »Michael Wendler« übertragen worden sein.

Der Strafbefehl beläuft sich nach Angaben des Gerichts auf sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Als Bewährungsauflage seien 100.000 Euro an die Staatskasse vorgesehen. Wendlers Anwalt äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen. Bis zu einer Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Am Vorabend des Prozesses hatte Wendlers Anwalt beantragt, seinen Mandanten von der Pflicht zu entbinden, persönlich nach Dinslaken zu kommen. Dem kam das Gericht allerdings nicht nach. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin den Haftbefehl.

Wendler hatte im Oktober 2020 einen Eklat ausgelöst, weil er der Bundesregierung »grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung« in der Coronakrise vorwarf. Zudem beschuldigte er Fernsehsender – darunter seinen damaligen Haussender RTL – »gleichgeschaltet« zu sein. RTL distanzierte sich und nannte Wendler einen »Verschwörungstheoretiker«.

bbr/dpa