Michelles Eltern "Sie fühlen sich wie in einem Alptraum"

Worte des Leids: Erstmals haben sich die Eltern der in Leipzig getöteten Michelle zu dem Verbrechen geäußert. Über ihre Anwältin ließen sie der Öffentlichkeit für die Anteilnahme danken - und beschrieben ihre eigene schreckliche Lage.


Leipzig - Mehr als eine Woche nach dem Verschwinden des achtjährigen Mädchens und sechs Tage nach dem Fund seiner Leiche erlebt die gesamte Familie die Situation als "außerordentlich belastend", wie ihre Anwältin Ina Alexandra Tust sagte. "Sie fühlen sich wie in einem nicht enden wollenden Alptraum."

Der 37-jährige Vater, der sonst unter anderem als Taxifahrer arbeitet, und die 33-jährige Mutter würden psychologisch betreut und erhielten Unterstützung vom Weißen Ring. Diese Organisation hilft Opfern von Kriminalität. Tust erklärte, die fünf und elf Jahre alten Brüder von Michelle würden von Zeitungen und Fernsehen ferngehalten, um sie nicht noch mehr zu belasten. Einen Termin für die Beerdigung von Michelle gebe es noch nicht.

"Die Beerdigung soll auf Wunsch der Familie nur im engsten Familien- und Freundeskreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien stattfinden." Die Rechtsanwältin appellierte an Öffentlichkeit und Medien, den Wunsch "nach einem stillen Abschied von Michelle" zu respektieren und auch sonst die Familie mit Fragen zu verschonen.

Die Familie wohne derzeit weiterhin an einem Ort außerhalb von Leipzig. Sie habe sich auch sehr positiv über die Unterstützung der Polizei geäußert. Tust, die der Presse Auskunft gibt, hatte auch schon die Eltern des vor mehr als einem Jahr in Leipzig ermordeten neunjährigen Mitja vertreten. Sie kündigte an, dass die Eltern auch diesmal im Fall eines Prozesses als Nebenkläger auftreten werden.

Die Eltern distanzierten sich laut Tust deutlich von rechtsextremistischen Kreisen, die zusammen mit Bewohnern des Viertels Trauermärsche zu Demonstrationen für die Todesstrafe umfunktionierten. Rechtsextremistische Kundgebungen, die auch von einem jüngeren Bruder der Mutter Michelles mitorganisiert wurden, hätten ohne ihr Wissen stattgefunden. Der Vater habe angekündigt, er werde versuchen, seinen Schwager von einer weiteren Instrumentalisierung abhalten.

jdl/dpa



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