Milchpulver-Skandal Chinesische Regierung will Panscher hart bestrafen

Im Skandal um verseuchte Milchprodukte will die chinesische Regierung hart durchgreifen. Der Staatsrat kündigte drastische Strafen für die Verantwortlichen und schärfere Kontrollen in der Milchindustrie an. Präsident Hu Jintao warf seiner eigenen Partei schwere Versäumnisse vor.


Peking - Der chinesische Präsident Hu Jintao geht mit Parteikadern hart ins Gericht: Sie hätten den Sinn für "Prinzipien, Allgemeinwohl und Verantwortung" verloren, sagte Hu laut staatlicher "Volkszeitung". Eine Reihe von "ernsthaften Unfällen" bei der Lebensmittelsicherheit hätten in diesem Jahr dem Leben und der Gesundheit der Chinesen stark geschadet. Er forderte seine Partei auf, sich für das Wohl der Bevölkerung einzusetzen.

Die chinesischen Verbraucher sind in heller Aufregung, seit die Industriechemikalie Melamin zunächst in Milchpulver für Babynahrung und schließlich auch in Milch, Joghurt und Eis der drei größten Milchproduzenten des Landes entdeckt worden war. Durch den Stoff, mit dem ein höherer Eiweißgehalt vorgetäuscht werden soll, starben in China bereits vier Säuglinge, mehr als 6200 Babys erkrankten.

In europäischen Ländern wurde nach Angaben der französischen EU-Ratspräsidentschaft bisher keine Milch aus China entdeckt. Seit 2002 gilt ein Importverbot für Milchprodukte aus der Volksrepublik.

"Bis zum heutigen Tag ist keine Milch aus China auf europäischem Gebiet entdeckt worden", teilten die französischen Ministerien für Gesundheit, Landwirtschaft und Wirtschaft am Samstag mit. China habe vor einer Woche bestätigt, dass keine Milchprodukte nach Europa ausgeführt wurden. Obwohl die Europäische Union vor sechs Jahren ein Importverbot gegen China verhängte, ist laut EU-Kommission nicht auszuschließen, dass die Produkte über Drittstaaten nach Europa gelangen.

Die Einfuhrmengen nach Deutschland seien vernachlässigbar gering, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller, im rbb-Inforadio. Deutschland habe vielmehr "Milch nach China gepumpt", erläuterte Müller.

"Nur eine weitere Affäre"

Erstmals wurde am Wochenende ein Krankheitsfall aus der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong bekannt. Dort diagnostizierten die Ärzte einen Nierenstein bei einem dreijährigen Mädchen, das über 15 Monate lang Milch aus dem verseuchten Pulver zu trinken bekam. Etliche besorgte Eltern brachten weiterhin ihre Kinder zur Untersuchung in Krankenhäuser.

"Wer weiß schon, wie viele chemische Produkte in unserer Nahrung stecken", sagte ein Kunde in einem Café in Shanghai. "Wir hatten gepanschten Reis, Schwein, das mit Wasser aufgespritzt wurde, Geflügel mit Vogelgrippe - und jetzt die Milch." Wer auf seine Ernährung achte, könne bald nichts mehr essen, resümierte er. "Das ist nur eine neue Affäre. Es gibt noch viel in diesem Land, was noch nicht enthüllt wurde", sagte eine verunsicherte Mutter.

Nach Singapur stellten auch Malaysia, Brunei, Tansania und Gabun den Import und den Verkauf von chinesischer Milch ein. Birma kündigte an, importiertes Milchpulver beschlagnahmen und vernichten zu lassen. Eine japanische Firma rief tausende Brötchen zurück, die mit Milch aus China gebacken worden waren.

amz/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.