Nach brutalem Tod eines Schwarzen Polizeiwache in Minneapolis in Brand gesteckt

In Minneapolis kommt es nach dem Tod von George Floyd die dritte Nacht in Folge zu Protesten, Demonstranten drangen in eine Polizeistation ein. In mehreren Städten sollen bei Demos Schüsse gefallen sein.
Feuer vor der Polizeistation in Minneapolis: Kaepernick verteidigt Proteste

Feuer vor der Polizeistation in Minneapolis: Kaepernick verteidigt Proteste 

Foto:

CRAIG LASSIG/EPA-EFE/Shutterstock

Bei gewaltsamen Protesten wegen des Todes eines Schwarzen bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis haben Demonstranten ein Polizeigebäude gestürmt und angezündet. Das berichten unter anderem die "New York Times " und der Sender CNN . Laut "New York Times" schlugen die Demonstranten Fenster ein und durchbrachen Absperrungen, Feuerwerkskörper wurden abgefeuert.

Die Polizeistation sei evakuiert worden, berichtete der Sender CBS Minnesota unter Berufung auf eine Polizeimitteilung. "Demonstranten sind gewaltsam in das Gebäude eingedrungen und haben mehrere Brände entzündet", zitierte der Sender weiter aus der Mitteilung. Die genaue Lage bei den Ausschreitungen ist unübersichtlich.

Trump droht: "Wenn die Plünderungen beginnen, beginnt auch das Schießen"

Der Feuerwehrchef von Minneapolis, John Fruetel, sagte CNN: "Ich weiß, dass sie versucht haben, den Bereich der Eingangstür dieses Gebäudes in Brand zu setzen." Er wisse noch nicht, ob sich das Feuer auch im Gebäude ausgebreitet habe. Feuerwehrleute hätten in dieser und den vergangenen Nächten immer wieder mit Bränden zu kämpfen gehabt und seien teilweise auch angegriffen worden.

US-Präsident Donald Trump kündigte an, mit Härte gegen Gewalttäter vorgehen zu wollen. Er kritisierte den Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, als "sehr schwach", dieser zeige "einen völligen Mangel an Führung". Trump drohte: "Wenn die Plünderungen beginnen, beginnt auch das Schießen".

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Bürgermeister Frey wies die Kritik zurück: "Schwäche ist es, in einer Krise mit dem Finger auf jemand anderen zu zeigen. Donald J. Trump weiß nichts über die Stärke von Minneapolis. Wir sind verdammt stark." Frey, der Mitglied einer den Demokraten nahestehenden Partei ist, sagte: "Sie können sich verdammt sicher sein, dass wir das durchstehen werden."

Der frühere Star-Quarterback Colin Kaepernick hat selbst die massiven Proteste verteidigt. "Wenn Höflichkeit zum Tod führt, ist Revolte die einzige logische Reaktion", schrieb der 32-Jährige auf Twitter: "Wir haben das Recht, uns zu wehren! Ruhe in Power, George Floyd."

Kaepernick war zur Symbolfigur der Proteste gegen Polizeigewalt vor allem gegenüber dunkelhäutigen US-Bürgern geworden, findet seit der Freistellung durch die San Francisco 49ers Anfang 2017 jedoch keinen Job mehr in der US-Profifootballliga NFL. Er fügte hinzu: "Die Rufe nach Frieden werden niederprasseln, und wenn sie das tun, werden sie auf taube Ohren stoßen, denn ihre Gewalt hat diesen Widerstand hervorgerufen."

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Proteste gegen Polizeigewalt gab es auch in vielen anderen Städten. In Louisville im US-Bundesstaat Kentucky gingen Hunderte wegen Breonna Taylor, einer 26-jährigen Sanitäterin auf die Straße - die Afroamerikanerin war im März in ihrem Zuhause von Polizisten erschossen worden.

Bericht über Verletzte durch Schüsse

Bei den Protesten fielen Medienberichten zufolge nun Schüsse. Die Nachrichtenagentur AP berichtete unter Berufung auf die Polizei von mindestens sieben Verletzten, darunter einem in kritischem Zustand. Es habe mehrere Festnahmen gegeben. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gibt es bislang noch nicht.

Demonstrant mit US-Flagge vor brennendem Spirituosengeschäft in Minneapolis

Demonstrant mit US-Flagge vor brennendem Spirituosengeschäft in Minneapolis

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Julio Cortez/ dpa

Auch in Denver im US-Bundesstaat Colorado fielen laut Medienberichten Schüsse. Laut Polizei wurden zunächst keine Verletzten gemeldet. In Columbus im US-Staat Ohio hatten laut "New York Times" zahlreiche Demonstranten vergeblich versucht, ins Parlamentsgebäude zu gelangen. Vor dem Polizeigebäude in Minneapolis riefen Dutzende Demonstranten "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden" ("no justice, no peace"), wie die "Washington Post" berichtete. Nach dem Tod George Floyds war es in Minneapolis bereits zuvor zu schweren Ausschreitungen gekommen.

Auslöser für die Wut und Empörung der Demonstranten war ein rund zehn Minuten langes Video von Floyds Tod, das sich wie ein Lauffeuer in sozialen Medien verbreitete: Ein weißer Polizist drückte sein Knie an den Hals des 46-Jährigen, der wiederholt um Hilfe flehte, bevor er das Bewusstsein verlor. Wiederholt sagte der Afroamerikaner: "Ich kann nicht atmen." Er starb kurz danach in einem nahen Krankenhaus. Die insgesamt vier involvierten Polizisten wurden entlassen, aber bislang weder festgenommen noch angeklagt.

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Laut "New York Times" wurde die Auseinandersetzung auf den Straßen von Minneapolis intensiver, nachdem die Staatsanwaltschaft mitgeteilt habe, sie hätte noch nicht entschieden, ob sie den Polizisten anklagen solle, der sein Knie etwa acht Minuten lang auf Floyds Hals gedrückt hatte.

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Die Einsatzkräfte wurden beworfen. Der Gouverneur des US-Bundesstaats Minnesota hat derweil die Nationalgarde mobilisiert: Tim Walz erklärte einen Notstand für die Stadt und umliegende Gebiete. Friedliche Demonstrationen seien aber weiterhin erlaubt.

apr/dpa/AP
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