Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs Katholischer Pfarrer überraschend im Gerichtssaal verhaftet

Der 70 Jahre alte Geistliche Bernhard U. soll seine drei Nichten zum Teil schwer missbraucht haben. Nun wurde bekannt: Es könnte noch mehr Opfer geben – U. wurde in Köln umgehend in U-Haft genommen.
Der angeklagte katholische Pfarrer Hans Bernhard U.: Möglicherweise noch mehr Opfer als bisher bekannt

Der angeklagte katholische Pfarrer Hans Bernhard U.: Möglicherweise noch mehr Opfer als bisher bekannt

Foto: Federico Gambarini / picture alliance / dpa

Ein katholischer Priester ist in Köln überraschend im Gerichtssaal verhaftet worden. Der 70 Jahre alte Hans Bernhard U. ist angeklagt, weil er seine drei Nichten sexuell missbraucht haben soll. Gegen U. sei am Donnerstag Haftbefehl erlassen worden, nach der Sitzung am Freitag sei er dann unverzüglich in U-Haft gebracht worden, teilte ein Sprecher des Landgerichts Köln mit. Als Haftgrund habe die zuständige Kammer Wiederholungsgefahr genannt.

Der Priester steht seit November wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht und saß bislang nicht in Untersuchungshaft. Er ist angeklagt, weil er von 1993 bis Ende 1999 seine drei Nichten, die damals zwischen sieben und 13 Jahre alt waren, zum Teil schwer sexuell missbraucht haben soll. Zudem soll er auch ein weiteres elf Jahre altes Mädchen sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft legt ihm insgesamt 31 solcher Taten zur Last.

Im Laufe des Prozesses meldeten sich weitere mutmaßliche Opfer, die dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht als Zeugen aussagten. Dabei habe eine Zeugin von Übergriffen noch im Jahr 2019 berichtet. Wegen der Vielzahl weiterer Übergriffe, die aus der jüngeren Vergangenheit stammen könnten, habe die Kammer eine Wiederholungsgefahr bei U. gesehen.

Am häufigsten sei es zu »Berührungen und Manipulationen« der Kinder gekommen, in drei Fällen jedoch auch zum »Beischlaf oder beischlafähnlichen Handlungen«. U. war damals Pfarrer und als Seelsorger in Gummersbach tätig.

Fall um Pfarrer U. belastet auch den Hamburger Erzbischof Stefan Heße

Sollten sich die jüngeren Vorwürfe bestätigen, stellt sich die Frage, ob diese Fälle hätten verhindert werden können, wäre die Kirche konsequenter gegen U. vorgegangen. Denn der angeklagte Priester war im Jahr 2010 schon einmal angezeigt worden. Doch die Anzeige wurde zurückgezogen – mutmaßlich auf Druck der Familie und gegen ein Schweigegeld. Erst 2019 wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen und führten dann zur Anklage.

Vor Kurzem sagte deshalb der damals zuständige Personalchef des Bistums, der jetzige Hamburger Erzbischof Stefan Heße, in dem Prozess aus. Heße war in der Zeit mit den Missbrauchsvorwürfen befasst gewesen. Er sagte, er habe den Pfarrer 2010 beurlaubt, als ihm die Vorwürfe bekannt geworden seien.

Doch ein Aktenvermerk belastet ihn: Darin hieß es, der Angeklagte Pfarrer habe im Generalvikariat in einem Gespräch »alles erzählt«. Weiter stand darin: »Es sollte über dieses Gespräch jedoch bewusst kein Protokoll angefertigt werden.« Heße habe zu diesem Vorgehen sein Einverständnis gegeben. Im Prozess sagte dieser, er könne sich »keinen Reim« auf diese Aktennotiz machen.

has/dpa/AFP