LKA-Direktor Missbrauchsfall in Bergisch Gladbach vermutlich größer als in Lügde

"Das sind immense Datenmengen": Ermittler in NRW gehen davon aus, dass die Dimension des Missbrauchsskandals von Bergisch Gladbach jene des Falls Lügde noch übersteigt.

Hausdurchsuchung in Alsdorf (Archivbild): "Netzwerk mit Chat-Gruppen bis zu 1800 Teilnehmern"
Dagmar Meyer-Roeger/ DPA

Hausdurchsuchung in Alsdorf (Archivbild): "Netzwerk mit Chat-Gruppen bis zu 1800 Teilnehmern"


Experten des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes (LKA) gehen davon aus, dass der Missbrauchsfall in Bergisch Gladbach größer ist als der Fall in Lügde. "Wenn so viele Chatteilnehmer und Gruppen da sind, kann man davon ausgehen, dass das sichergestellte Datenmaterial größer ist als im Fall Lügde. Das sind immense Datenmengen", sagte LKA-Direktor Frank Hoever der "Rheinischen Post".

Der Leiter des Cybercrime-Kompentenzzentrums beim LKA, Sven Schneider, ergänzte: "Ich denke auch nicht, dass der Fall Bergisch Gladbach ein Einzelfall gewesen ist. Die Täter müssen sich ja austauschen, um an Bildmaterial zu kommen und Gleichgesinnte zu finden. Und das funktioniert in erster Linie über Foren im Internet und über Messenger-Dienste."

Polizei wünscht sich besseren Zugang zu den kriminellen Kreisen

Hoever und Schneider machten sich dafür stark, künftig computergeneriert Fakebilder von Kindern verwenden zu dürfen, um in die Chats der Täter aufgenommen zu werden. "Ich würde das sehr begrüßen. Das wäre die Eintrittskarte in Straftäterkreise. Eine entsprechende Ermächtigung wäre enorm wichtig für die Ermittlungen. Wenn wir selber Material einbringen könnten in die Chats, würden deutlich mehr Fälle ans Licht kommen", sagte Hoever.

Die Missbrauchsserie von Lügde im Kreis Lippe war Ende Januar bekannt geworden. Auf einem Campingplatz in der ostwestfälischen Stadt war es zu tausendfachem Kindesmissbrauch gekommen. Die meisten der betroffenen Kinder waren zur Tatzeit zwischen 3 und 14 Jahre alt.

Vor rund zwei Wochen waren rund um den Fall Bergisch Gladbach teils erhebliche Fehler der Ermittler bekannt geworden: Versäumnisse der Justiz führten dazu, dass ein Vater über Monate weiter die Gelegenheit hatte, Kinder zu missbrauchen und zum Missbrauch anzubieten.

Polizei spricht von "riesigem Netzwerk"

Die Dimension der Ermittlungen war zuletzt immer größer geworden. Acht Männer wurden in Nordrhein-Westfalen, zwei weitere Männer in Hessen und Rheinland-Pfalz festgenommen. Darüber hinaus gibt es weitere Tatverdächtige. Die genaue Zahl von Tätern und Opfer lässt sich bislang nicht abschätzen.

Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben von einem großen "Netzwerk mit Chat-Gruppen bis zu 1800 Teilnehmern" aus. Anders als bei dem jahrelangen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hätten die Ermittlungen rund um Bergisch Gladbach "viele Täter aus allen Ecken Deutschlands" zutage gefördert.

Lesen Sie zum Thema auch dieses Interview mit einem Kinderpornografie-Ermittler.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Textfassung hieß es, im Fall Bergisch Gladbach habe es neun Festnahmen gegeben - mittlerweile gab es jedoch zehn. Wir haben die Textstelle aktualisiert.

jok/AFP

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.