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Behördenversagen im Missbrauchsfall Nur der Junge wurde nie befragt

Wieder einmal hat die Polizei einen Ring mutmaßlicher Kinderschänder ausgehoben. Das Entsetzliche dabei: Jugendamt und Gerichte hätten vieles wohl verhindern können.
aus DER SPIEGEL 25/2020
Abgesperrte Parzelle in Münsteraner Anlage "Am Bergbusch": Die Kamera hielt alles fest

Abgesperrte Parzelle in Münsteraner Anlage "Am Bergbusch": Die Kamera hielt alles fest

Foto: Heiner Witte/ action press

Im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall in Münster kritisiert Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) den Umgang der Behörden mit dem Hauptbeschuldigten Adrian V. Dieser hatte zwei Vorstrafen wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie, dennoch konnte er offenbar über Jahre mit seiner Partnerin und deren inzwischen 10-jährigem Sohn zusammenleben. Das Kind wurde mutmaßlich von V. missbraucht und auch anderen Männern zum Missbrauch zugeführt.

Im Oktober 2015 befasste sich das Familiengericht Münster im Kindesschutzverfahren mit der Situation des Jungen. Gerichtssprecher Matthias Bieling räumt ein, dass der Junge selbst nicht angehört wurde. Auch einen Verfahrensbeistand, der die Interessen des Kindes vor Gericht wahren soll, hatte der Junge nicht.

Nachdem zum zweiten Mal gegen Adrian V. eine Anklageschrift wegen der Verbreitung und des Besitzes von Kinderpornografie vorlag, berief der Sozialdienst des Jugendamtes ein interdisziplinäres Fachgremium zur Beratung des Falls ein, die "Clearingstelle Kinderschutz". Diese habe wie der Sozialdienst und das Familiengericht die Situation so eingeschätzt, sagt die Stadt, "dass die Mutter ihr Kind ausreichend schützt". Adrian V. habe sich in Gesprächen mit dem Jugendamt einsichtig gezeigt. 2017 wurde V. erneut zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, das Gericht stellte auf seinem Computer "besonders brutale" Missbrauchsvideos fest, heißt es im Urteil.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte:

Ein mit Erdklumpen bedeckter Feldweg führt zur Kleingartenanlage "Am Bergbusch" im Norden Münsters. Das grüne Eingangstor ist abgeschlossen, auf einem Schild steht: "Die Anlage ist vorübergehend für die Öffentlichkeit gesperrt!" Nur wenige Kleingärtner sind zu sehen, sie zupfen Unkraut, gießen ihre Pflanzen.

Wenige Meter neben dem Eingang zur Anlage steht die Laube, die ein Tatort ist, im Garten wachsen Salat und Brombeeren. Die Parzelle ist mit Flatterband abgesperrt, an der Tür klebt ein violettes Polizeisiegel. Zwei Beamte bewachen die Laube rund um die Uhr. Die Spurensicherung ist mit ihrer Arbeit noch nicht fertig.

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