Missbrauchsfall in Münster Ermittler fassen weitere Tatverdächtige

Im Missbrauchsfall von Münster gibt es Hinweise auf ein siebtes Opfer. Die Zahl der Verdächtigen steigt auf über 20. Landesinnenminister Reul lobt die Fortschritte bei den Ermittlungen.
Tatort in einer Kleingartenkolonie am Stadtrand von Münster: mehr als 20 Verdächtige

Tatort in einer Kleingartenkolonie am Stadtrand von Münster: mehr als 20 Verdächtige

Foto: Marcel Kusch/ dpa

Im Missbrauchsfall von Münster haben Ermittler drei weitere Beschuldigte dem Haftrichter vorgeführt. Darüber hinaus gibt es drei neue Tatverdächtige sowie Hinweise auf ein siebtes Opfer. Das sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul in einer gemeinsamen Sondersitzung von Rechts-, Innen- und Familienausschuss im Landtag in Düsseldorf.

Am Morgen waren demnach insgesamt 180 Beamte zu Durchsuchungen in vier Bundesländern ausgerückt. Die konzertierte Aktion habe in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein stattgefunden. "Weitere Kinder wurden damit aus der tagtäglichen Hölle befreit", so Reul.

Es gehe um den Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, teilten die Ermittler in Münster mit. Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen 26-jährigen Mann aus Aachen sowie zwei 29 und 49 Jahre alte Männer aus Hannover. Gegen einen 29-jährigen Tatverdächtigen aus Heiligenhaus bei Essen, einen 36-Jährigen aus Langenhagen in Niedersachsen und einen 52-Jährigen aus Norderstedt bei Hamburg werden Ermittlungen geführt.

"Die Befreiung der Opfer hat oberste Priorität"

Der Aachener sei durch das bislang ausgewertete Videomaterial und der Aussagen eines Opfers in den Fokus der Ermittler gerückt. Er soll sich Anfang Mai in der Laube der Kleingartenanlage des 27-jährigen Haupttäters in Münster aufgehalten und den Zehnjährigen schwer sexuell missbraucht haben.

Damit gibt es nun insgesamt 21 Tatverdächtige, die sich im westfälischen Münster an Kindern vergangen haben sollen. Zehn Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft. Reul zeigte sich zufrieden über die Ermittlungserfolge: "Ich freue mich über jeden Verdächtigen, der neu dazukommt", sagte der CDU-Politiker. "Die Befreiung der Opfer hat oberste Priorität." Der Fall sei sehr dynamisch, sagte Reul. Er lobte die Fortschritte bei den Ermittlungen - diese dauerten aber nach wie vor an.

SPD-Abgeordnete kritisierten, es gebe nun mehrere Fälle in NRW, bei denen Behörden Hinweise nicht weitergegeben hätten. Außerdem sei im Fall des Hauptverdächtigen von Münster ein Kind in großer Gefahr gewesen. Obwohl die Polizei bereits gegen den einschlägig vorbestraften Pädokriminellen ermittelt habe, sei es in dieser Zeit zu brutalen Gruppenvergewaltigungen gekommen.

"Diese Netzwerke gibt es schon lange, diese Subkultur ist lange gewachsen"

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU)

"NRW ist nicht das Land des Bösen", entgegnete NRW-Justizminister Peter Biesenbach auf die Vorwürfe. "Das hier so viele Fälle bekanntwerden, liegt vor allem an dem Ermittlungsaufwand, den wir inzwischen betreiben", sagte der CDU-Politiker. "Diese Netzwerke gibt es schon lange, diese Subkultur ist lange gewachsen."

Der Fall des schweren sexuellen Missbrauchs  mehrerer Kinder in Münster war Anfang Juni bekannt geworden. Der 27 Jahre alte Hauptverdächtige war zweifach vorbestraft, weil er Aufnahmen von Kindesmissbrauch besessen hatte. Als einer von zwei Tatorten steht bislang der Kleingartenverein fest.

Nach Bekanntwerden des Falls hatte die Union ihre Forderung erneuert, Kindesmissbrauch in jedem Fall als Verbrechen einstufen. Als Verbrechen gilt eine Tat, die mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe belegt ist, für sogenannte Vergehen kann auch eine geringere Freiheits- oder Geldstrafe verhängt werden.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hatte Forderungen nach einer Verschärfung der Strafen zunächst zurückgewiesen. Nachdem sie viel Kritik erhalten hatte, war die SPD-Politikerin aber umgeschwenkt: Nun will sie härtere Strafen kurzfristig auf den Weg bringen.

Dabei geht es um höhere Mindeststrafen auch für Missbrauchsfälle, die nicht mit körperlicher Gewalt und Misshandlungen einhergehen, und für "gewerbs- und bandenmäßige" Verbreitung von Kinderpornografie. In beiden Bereichen liegen die Mindestfreiheitsstrafen bisher bei sechs Monaten. Durch Heraufsetzen auf ein Jahr würden sie von Vergehen zu Verbrechen hochgestuft.

le/mxw/dpa
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