Missbrauchsprozess Richter besteht auf Polanskis Auslieferung in die USA

Sonderbehandlung abgelehnt: Ein Gericht in Los Angeles fordert die Anwesenheit Roman Polanskis bei seinem Verfahren wegen Kindesmissbrauchs in Los Angeles. Die Anwälte des Regisseurs wollen Berufung gegen die Entscheidung einlegen. Auch sein Opfer kämpft weiter für den Filmemacher.
Filmemacher Polanski: Muss das erste Mal seit drei Jahrzehnten in die USA

Filmemacher Polanski: Muss das erste Mal seit drei Jahrzehnten in die USA

Foto: DDP

Los Angeles - Roman Polanski muss für den Prozess wegen des sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen im Jahr 1977 in die USA zurückkehren. Das entschied ein Gericht am Freitag in Los Angeles. Es folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf eine Auslieferung des berühmten Regisseurs in die Vereinigten Staaten bestanden hatte.

Der 76-jährige Filmemacher ("Tanz der Vampire", "Der Pianist") hatte Anfang Januar ein Verfahren in Abwesenheit beantragt und gebeten, in der Schweiz bleiben zu dürfen, wo er sich seit seiner Festnahme im September unter elektronisch überwachtem Hausarrest aufhält. Die Anwälte Polanskis kündigten unmittelbar nach dem Richterspruch an, sie würden Berufung dagegen einlegen.

Die Staatsanwaltschaft verfolgt den gebürtigen Polen wegen sexuellen Missbrauchs eines Mädchens im Jahr 1977. Damals bekannte sich der Regisseur schuldig, eine 13-Jährige in der Villa von Hollywoodstar Jack Nicholson mit Drogen gefügig gemacht und dann Sexualverkehr mit ihr gehabt zu haben. 42 Tage saß er in Haft, entzog sich jedoch 1978 dem weiteren Verfahren durch Flucht ins Ausland - er betrat die USA seither nie wieder.

Opfer verlangt Einstellung des Prozesses

Unterstützung für Polanski kommt erneut von seinem damaligen Opfer: Samantha Geimer wolle sich dafür starkmachen, dass das Auslieferungsverfahren gegen Polanski gestoppt werde, berichtete die Zeitung "Los Angeles Times" unter Berufung auf ein Schreiben, das wenige Stunden vor Beginn der Anhörung am Abend bei Gericht eintraf.

Ihr Anwalt argumentiere darin, dass die Staatsanwaltschaft gegen die kalifornische Verfassung verstoßen habe, als sie den Auslieferungsantrag ohne Rücksprache mit Geimer gestellt habe. Nach der Verfassung des US-Bundesstaates Kalifornien habe sie als Opfer von Polanski im Jahr 1977 ein Mitspracherecht bei einem solch gravierenden Schritt.

Auch Polanskis 43-jährige Ehefrau Emmanuelle Seigner steht zu ihrem Partner. In einem Interview mit dem Magazin "Elle" verteidigte sie Polanski, der "ein großartiger Ehemann und Mann" sei. Sie habe ihm nichts vorzuwerfen, sagte sie und verwies darauf, dass die siebziger Jahre, in denen das Verbrechen geschah, ganz andere Zeiten gewesen seien: "Das Verhältnis zu Drogen war nicht dasselbe, das Verhältnis zu sexueller Freiheit und Freizügigkeit auch nicht", so Seigner. Heute habe sich die öffentliche Meinung zu diesen Themen jedoch stark verändert.

can/apn/dpa
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