Missbrauchsskandal um Jimmy Savile Bericht wirft Polizei Versagen vor

Polizisten ignorierten Hinweise und nahmen Opfer nicht ernst: Ein Bericht attestiert britischen Ermittlern im Missbrauchsskandal um Jimmy Savile schwere Fehler. Demnach hätte der britische TV-Entertainer bereits vor Jahrzehnten gestoppt werden können.

Moderator Savile (Foto von 2008): 214 Sexualstraftaten in 54 Jahren
AP

Moderator Savile (Foto von 2008): 214 Sexualstraftaten in 54 Jahren


London - Der Missbrauchsskandal um den früheren britischen Entertainer Jimmy Savile hätte womöglich vermieden werden können. Das geht aus einem unabhängigen Bericht hervor, der die Rolle der Polizei in dem Fall untersucht hat. Demnach hatte die Polizei schon 1964 Kenntnis von Vorwürfen gegen Savile, unterließ es aber, zu ermitteln. Insgesamt sammelten sich bei der Polizei fünf Missbrauchsvorwürfe gegen den Moderator an. Doch es geschah nichts.

Zu Lebzeiten war Savile einer der beliebtesten britischen Entertainer. 2011 starb er im Alter von 84 Jahren. Nach seinem Tod meldeten sich Hunderte Personen, die ihm sexuellen Missbrauch vorwarfen. Savile soll seine Bekanntheit ausgenutzt haben, um sich seinen Opfern zu nähern. Ein anderer Bericht war im Januar zum Ergebnis gekommen, dass Saviles Übergriffe von 1955 bis 2009 stattfanden. Er soll insgesamt 214 Sexualstraftaten begangen haben.

Deshalb wiegen die Ergebnisse des aktuellen Berichts so schwer: Er besagt, dass Savile schon vor Jahrzehnten hätte gestoppt werden können - wenn die Polizei ihre Ermittlungen akribischer geführt und die Ergebnisse besser miteinander verknüpft hätte.

Eine Aktennotiz aus dem Jahr 1964 beschuldigt Savile, Kinder in einem Heim missbraucht zu haben. Die Existenz des Papiers belege, dass Savile damals "Polizisten, die wegen sexueller Übergriffe auf Kinder ermittelten, bekannt war", heißt es in dem Bericht. Auf dieser Basis habe die Möglichkeit bestanden, Saviles Verhalten genauer zu untersuchen.

Mehr als zwei Jahrzehnte später wurde ebenfalls eine Chance vertan. 1988 ging ein anonymer Brief bei Scotland Yard ein. Die Polizei möge Saviles Treiben Einhalt gebieten, heißt es darin. Doch den Ermittlern war die Sache wohl zu heikel, weil Savile prominent war. Die Hinweise aus dem Brief wurden nie verfolgt oder anderen Ermittlungsbehörden mitgeteilt. Fünf Beschwerden Betroffener über Savile wurden ebenso wenig verfolgt.

Ein Missbrauchsopfer berichtete, es habe bei der Polizei nur gehört, es solle "die Sache vergessen". Ein anderes Opfer bekam gesagt, wer solche Anschuldigungen gegen Savile erhebe, könne selbst festgenommen werden.

ulz/AP/Reuters



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