Missbrauchsvorwürfe an Gehörlosenschule US-Anwalt verklagt den Papst

Papst Benedikt hat von den Missbrauchsvorwürfen gegen einen amerikanischen Priester gewusst und nicht gehandelt - das behauptet ein mutmaßliches Opfer, das den Pontifex jetzt zur Verantwortung ziehen will. Der Vatikan spricht von einer Publicity-Aktion.


Milwaukee/Rom - Ein Anwalt in den USA hat in Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal der katholischen Kirche Papst Benedikt XVI. verklagt. Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger habe den Priester Lawrence Murphy aus Wisconsin nicht des Amtes enthoben, obwohl er von den Missbrauchsvorwürfen gegen diesen gewusst habe, hieß es in der am Donnerstag bei einem Gericht in Milwaukee eingereichten Klageschrift des Anwalts Jeff Anderson.

Der Vatikan bezeichnete die Klage als eine Publicity-Aktion. Bei dem namentlich nicht genannten Kläger aus Illinois handele es sich um einen ehemaligen Schüler einer Gehörlosenschule in Wisconsin und ein mutmaßliches Opfer Murphys, erklärte Anderson. Der Mann habe 1995 den Vatikan in zwei Briefen wegen des Missbrauchs um Hilfe gebeten, aber keine Antwort erhalten. Damals war Benedikt Vorsitzender der auch für Disziplinarmaßnahmen zuständigen Glaubenskongregation. Der 1998 verstorbene Murphy soll zwischen 1950 und 1975 mindestens 200 gehörlose Kinder sexuell missbraucht haben.

Der Anwalt des Vatikans in den USA, Jeffrey Lena, erklärte, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Der Vatikan habe erst Jahrzehnte nach den von Murphy begangenen Taten davon erfahren und sei daher nicht verantwortlich zu machen. Zugleich erklärt Lena, das Mitgefühl gelte den Missbrauchsopfern des Geistlichen.

can/apn



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