Tod eines Schwarzen in Missouri Zeuge bestreitet Suizidversion der Polizei

Erschoss die Polizei einen unbewaffneten 18-Jährigen? Oder brachte sich der junge Mann selbst um? Der Tod eines Schwarzen bei St. Louis offenbart das tiefe Misstrauen gegenüber der Polizei - und weckt böse Erinnerungen.
Fergusons Polizeichef Andre Anderson in Normandy: Warum starb Amonderez G.?

Fergusons Polizeichef Andre Anderson in Normandy: Warum starb Amonderez G.?

Foto: Chris Lee/ AP/dpa

Ein schwarzer Teenager ist tot und eine Stadt rätselt: Starb Amonderez G. durch Schüsse der Polizei - oder griff er erst Polizisten an und erschoss sich danach? Der 18-Jährige habe sich nach einem Schusswechsel mit der Polizei am Donnerstag selbst getötet, sagen Ermittler. Doch Angehörige und Zeugen bestreiten das. G. sei unbewaffnet gewesen und von Polizisten erschossen worden.

Einer Zeugenaussage zufolge lief G. in der Kleinstadt Normandy im US-Staat Missouri vor der Polizei weg und kletterte über einen Zaun, wobei er beide Hände benutzte. Dabei sei keine Waffe zu sehen gewesen. "Wenn man sich umbringen will, läuft man nicht die Straße runter und schießt auf die Polizei", sagte ein Anwohner der Zeitung "St. Louis Post-Dispatch".

Die Befunde aus dem Krankenhaus zeigten, dass G. sich die Verletzung selbst zugefügt habe, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. "Keine der Kugeln der Polizisten von Normandy haben den Verdächtigen getroffen." Ein Zeuge habe gesehen, wie G. einen silberfarbenen Revolver getragen habe. Die Waffe habe einem engen Freund der Familie gehört.

Der Fall ist brisant: Normandy liegt direkt südlich von Ferguson, wo im August 2014 der unbewaffnete schwarze Teenager Michael Brown erschossen wurde. Bundesweite Proteste waren die Folge.

Der Polizei zufolge spielte sich im Vorfeld der Schießerei Folgendes ab: G. sei am Mittwochabend verstört durch die Gegend gelaufen, er habe Selbstmordabsichten gehabt. Familienmitglieder hätten ihn aufgesucht, aber nicht mit ihm kommunizieren können. Daher hätten sie die Polizei gerufen.

In der Nacht zu Donnerstag kam es dann zu dem tödlichen Vorfall: G. habe eine Waffe gezückt und auf die Beamten gefeuert, heißt es. Dann sei er weggerannt und habe die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Die Polizei gab zu, zuvor auf G. geschossen zu haben - er wurde aber angeblich nicht getroffen.

An dem Fall Michael Brown hatte sich eine landesweite Debatte über Rassismus und Polizeigewalt in den USA entzündet. Der Polizist, der den schwarzen Teenager erschossen hatte, wurde nicht angeklagt. Der Tod des Jugendlichen und der Verzicht auf einen Strafprozess führten zu schweren Unruhen.

ulz/kis/dpa