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21. Juni 2013, 15:38 Uhr

Mit Schülerin durchgebrannt

Mathe-Lehrer muss fünfeinhalb Jahre in Haft

Jeremy Forrest verschwand mit einer 15-jährigen Schülerin nach Frankreich. Eine Woche später wurde das ungleiche Paar geschnappt. Ein britisches Gericht hat den verheirateten Mathe-Lehrer nun zu fünfeinhalb Jahren Haft wegen Kindesentführung verurteilt.

London - Schuldig gesprochen wurde er bereits am Donnerstag, nun hat ein Gericht im südenglischen Lewes das Strafmaß verkündet. Der mit einer 15-jährigen Schülerin nach Frankreich durchgebrannte britische Lehrer Jeremy Forrest muss wegen Kindesentführung für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Der 30 Jahre alte Mathe-Lehrer und die Schülerin hatten ein Verhältnis, sie war freiwillig mit nach Frankreich gereist.

Unmittelbar bevor die Jury am Donnerstag ihren Schuldspruch verkündet hatte, sagte Forrest dem Mädchen: "Ich liebe dich." Die 15-Jährige brach nach dem Urteil in Tränen aus und sagte: "Es tut mir leid." Dann wurde der Lehrer abgeführt. Ihm hatte eine Höchststrafe von sieben Jahren Haft gedroht.

Die französische Polizei hatte Forrest und seine Schülerin Ende September 2012 nach einer Woche des Versteckspiels in Bordeaux aufgegriffen. Der Lehrer wurde festgenommen und später in seine Heimat ausgeliefert, wo er seit acht Monaten in Haft ist. Eine Beziehung der beiden ist in Großbritannien strafbar, in Frankreich dagegen nicht. Dort liegt das Mindestalter dafür nicht bei 16, sondern bei 15 Jahren.

Aufsehenerregender Fall

Die Beziehung zwischen dem Lehrer und seiner Schülerin begann offenbar nach einer Klassenfahrt im Februar 2012. Die Mutter des Mädchens sprach von einem Alptraum. Forrests Anwalt machte geltend, sein Mandant sei der Meinung gewesen, dass er mit der Schülerin durchbrennen müsse, weil diese "verzweifelt und selbstmordgefährdet" gewesen sei.

Die Anklagevertreter räumten ein, dass die Schülerin freiwillig nach Frankreich mitgekommen sei. Dies könne jedoch nicht zugunsten des Angeklagten gewertet werden.

Der Mathe-Lehrer und seine Schülerin waren am 20. September 2012 im Auto des Mannes vom englischen Sussex nach Dover gefahren und hatten mit der Fähre ins französische Calais übergesetzt. Einen Tag später trafen sie in Bordeaux ein. In dem aufsehenerregenden Fall stellten die britischen Behörden einen europäischen Haftbefehl aus. Eine Woche nach der Flucht aus Großbritannien wurde das Paar in der Innenstadt von Bordeaux aufgegriffen, wo der Lehrer Arbeit suchte.

wit/AFP

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