Mitja-Prozess Staatsanwaltschaft fordert Höchststrafe

Der mutmaßliche Mörder des neunjährigen Mitja aus Leipzig soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für immer eingesperrt werden. Die Anklagevertreterin hat in ihrem Plädoyer lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung für Uwe K. gefordert.


Leipzig - Sein letztes Wort war zugleich sein erstes in diesem Prozess. "Ich möchte mich entschuldigen, obwohl ich weiß, dass es keine Entschuldigung gibt", sagte der Angeklagte heute im Mitja-Prozess vor dem Leipziger Landgericht nach Abschluss der Plädoyers. Erstmals war er von seinem Stuhl aufgestanden und hatte seinen Blick gehoben, der in den Tagen davor stets schräg nach rechts unten gelenkt war. "Hohes Gericht", wandte er sich an die Kammer, "die Tat tut mir leid, ich leide selber darunter."

Dies hatte die Anwältin der Eltern von Mitja, der am 22. Februar missbraucht und dann erwürgt worden war, zuvor bestritten. "Ich bezweifele, dass Sie je in der Lage sein werden, das Leid der Eltern zu begreifen", sagte Ina Alexandra Tust an die Adresse des 43-Jährigen. Während die Staatsanwältin heute über Uwe K., sprach, nahm Tust ihn persönlich ins Visier. "Den Eltern wäre es am liebsten, wenn der Angeklagte nie wieder in Freiheit käme."

Um diese Frage ging es in den Plädoyers letztlich: Sicherungsverwahrung ja oder nein. Dass in dem Fall zumindest ein Merkmal für einen Mord, und nicht für einen - juristisch anders zu bewertenden - Totschlag vorlag, räumte auch Verteidiger Malte Heise ein. Sein Mandant habe mit der Tötung des Jungen zwar die vorangegangene Straftat verdecken wollen, aber dabei sei er weder besonders grausam vorgegangen noch habe er eine Waffe benutzt. Auch habe er dem Kind keine zusätzlichen Schmerzen zugefügt.

Zudem sei K. nicht planvoll vorgegangen, sagte Heise. Wie es der psychiatrische Gutachter gesagt habe, sei er in die Tat hineingerutscht. "Und auf einer Rutschbahn kann man nichts mehr steuern", argumentierte Heise. Eine besondere Schwere der Schuld liege daher nicht vor, sein Geständnis sei zudem positiv zu bewerten. In Anbetracht der festgestellten pädophilen Neigungen seines Mandanten plädierte er jedoch dafür, eine Sicherungsverwahrung nach der Haft zwar nicht sofort im Urteil festzulegen, wohl aber zumindest die Möglichkeit dafür offen zu lassen.

Dies sah Oberstaatsanwältin Claudia Laube anders. "Eine Schuldunfähigkeit des Angeklagten kommt nicht in Frage. Über mangelnde Einsichtsfähigkeit ist überhaupt nicht zu diskutieren", unterfütterte sie ihr Plädoyer. Für einen Mord lägen gleich mehrere Indizien vor. Zum einen habe K. die vorangegangene Vergewaltigung verdecken wollen, zum anderen habe es eine "Handlungszäsur" gegeben. Zwischen der Vergewaltigung und dem Mord hätten mindestens fünf Minuten gelegen, in denen der Junge wieder angekleidet worden und vom Bett aufgestanden sei. In dieser Zeit habe sich der 43-Jährige bewusst zur Tat entschlossen, betonte Laube. Dies alles spreche für eine besondere Schwere der Schuld.

Die Wirkung des Alkohols, unter der die Tat begangen worden war, sei zwar zu berücksichtigen, aber "der Angeklagte weiß ganz genau, wozu er fähig ist, wenn er trinkt". Er ist wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in fünf Fällen vorbestraft, einige der Taten geschahen unter Alkoholeinfluss. Auswirkungen auf eine mögliche Sicherungsverwahrung haben diese Vorstrafen jedoch nicht. "Die letzte liegt mehr als fünf Jahre zurück", sagte Laube.

Dennoch müsse nach einer lebenslangen Haft wegen Mordes und Vergewaltigung, die sie forderte, Sicherungsverwahrung verhängt werden. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass er auch in gefestigten sozialen Verhältnissen schwere Straftaten begehe. Er habe nicht ausschließlich unter Alkohol Kinder missbraucht und auch nicht nur in Lebenskrisen. Daher bestehe eine generelle Rückfallgefährdung, sagte die Staatsanwältin. Das Geständnis des Angeklagten sei zwar zu würdigen, aber in entscheidenden Fragen sei es "dürftig und dürr" geblieben.

Am Dienstag will das Gericht das Urteil verkünden. "Ich werde den Weg, der mir auferlegt wird, gehen und auch bewältigen", sagte der Angeklagte zum Schluss.

jdl/ddp



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