Getöteter Flüchtlingsjunge Täter gesteht sexuellen Missbrauch von Mohamed

Mohamed ist nach seiner Entführung sexuell missbraucht und mit einem Gürtel erwürgt worden. Das hat der Täter laut Polizei und Staatsanwaltschaft eingeräumt. Zur Tötung des sechsjährigen Elias habe der Mann keine Details genannt.
Getöteter Flüchtlingsjunge: Täter gesteht sexuellen Missbrauch von Mohamed

Getöteter Flüchtlingsjunge: Täter gesteht sexuellen Missbrauch von Mohamed

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP

Ein 32-Jähriger hat gestanden, die beiden Jungen Mohamed und Elias getötet zu haben. Bei einer Pressekonferenz äußerten sich Polizei und Staatsanwaltschaft zu den Hintergründen.

Silvio S. habe zugegeben, Mohamed entführt und sexuell mehrmals missbraucht zu haben. Um dies zu verdecken, hat der Täter den Jungen nach eigenen Angaben mit einem Gürtel erwürgt, teilten die Ermittler mit. Diese Aussage decke sich mit den Ergebnissen der Obduktion.

Der Mann habe gesagt, er habe Mohammed nach der Entführung in seine Wohnung gebracht. Laut Oberstaatsanwalt Michael von Hagen kam es am Abend, in der Nacht und am folgenden Vormittag "zu sexuellen Handlungen am Kind". Der Täter habe angegeben, das Kind habe danach "gequengelt, gemault". Um die Tat zu verdecken und zu vermeiden, durch Mohameds Lärm entdeckt zu werden, habe er den Jungen getötet.

Die Leiche des Kindes habe er in einer Wanne ins Dachgeschoss gebracht. Er habe Mohameds Körper mit Katzenstreu bedeckt, um Geruchsbildung bei der Leiche zu verhindern. Kurz vor seiner Festnahme habe der Mann die Wanne ins Auto gebracht und sei umhergefahren. Als Grund gab S. an, er habe noch ein Geburtstagsgeschenk für seine Cousine kaufen wollen. Als er nach Hause kam, warteten dort bereits die Ermittler.

Im Fall Elias hat der Mann den Ermittlern zufolge die Tat eingeräumt, aber keine Details genannt. Gegen Ende der mehrstündigen Vernehmung sei Silvio S. zunehmend wortkarg geworden, sagten Ermittler. Deshalb habe man die Befragung beendet und noch nicht wieder aufgenommen. Den Ermittlern zufolge könnte Elias aber auch unmittelbar nach dessen Entführung umgebracht worden sein.

Silvio S. strafrechtlich "bislang ein unbeschriebenes Blatt"

Mohamed war am 1. Oktober an der zentralen Registrierungsstelle für Flüchtlinge in Berlin-Moabit entführt worden. Dort, am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), habe er "Gutes tun" und Dinge spenden wollen, sagte Silvio S. Der 32-Jährige hat den vierjährigen Mohamed am Tag darauf umgebracht. Elias war am 8. Juli in Potsdam-Schlaatz beim Spielen spurlos verschwunden. Eine riesige Suchaktion blieb erfolglos.

Ermittlern zufolge sagte S., er habe Elias' Leiche auf einem Grundstück verscharrt, das er seit einem Jahr gepachtet hat. In einer Kleingartenanlage im brandenburgischen Luckenwalde hat die Polizei ein Gebiet weiträumig abgesperrt und mit Grabungen begonnen.

Von dem Ort habe S. eine Skizze angefertigt, sagten die Ermittler. "Auf dem Gelände haben offenbar in jüngster Zeit Grabungen stattgefunden. Jetzt wird das Erdreich dort sorgfältig abgetragen", sagte Michael Scharf, Stabsleiter der Polizei Brandenburg. Bei der Suche habe man ein Paket gefunden. "Darin kann sich durchaus Elias befinden", sagte Scharf.

Silvio S. lebte nach Angaben von Nachbarn sehr zurückgezogen und ist "schüchtern, fast ängstlich". Laut Staatsanwalt von Hagen war er strafrechtlich "bislang ein unbeschriebenes Blatt". Silvio S. war bei einem Wachschutz in Brandenburg angestellt." Die Ermittler gehen davon aus, dass er als Einzeltäter handelte. "Der Täter war nicht räumlich begrenzt aktiv", sagte Winfried Wenzel vom Landeskriminalamt Berlin. Deshalb würden ähnlich gelagerte Fälle wie zum Beispiel der der vermissten Inga überprüft.

Den Ermittlern zufolge hatte die Veröffentlichung von Überwachungsaufnahmen großen Anteil an der Ergreifung des Täters. Die Mutter von Silvio S. hatte ihren Sohn bereits nach der Veröffentlichung erster Bilder gefragt, ob er der Täter sei. Das habe S. noch glaubhaft verneinen können. Bei weiteren Bildern sei dies nicht mehr möglich gewesen. Die Mutter hatte Ermittlern den entscheidenden Tipp gegeben.

Polizisten mit Spürhunden suchen seit Freitagvormittag Silvio S. Wohnhaus im brandenburgischen Niedergörsdorf ab. Ermittler in weißen Overalls erkundeten den Hof, auf dem sich kleine Stallungen und Verschläge befinden. Wonach genau gesucht werde, wollte eine Polizeisprecherin nicht sagen. Es waren zwei Spürhunde im Einsatz. S. lebte bei seinen Eltern in dem Haus.

ulz/wit
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