Psychiatrie-Insasse Mollath Bayerns Justizministerin nennt Zwangsunterbringung fragwürdig

Gustl Mollath wird seit Jahren gegen seinen Willen in der Psychiatrie festgehalten. Seine weitere Zwangsunterbringung sei fragwürdig, sagte nun Bayerns Justizministerin Merk. Mollath solle die Möglichkeit bekommen, wieder ein soziales Umfeld aufzubauen.
Bayerns Justizministerin Merk: "Die Dauer der Unterbringung des Herrn Mollath wirft Fragen auf"

Bayerns Justizministerin Merk: "Die Dauer der Unterbringung des Herrn Mollath wirft Fragen auf"

Foto: Inga Kjer/ dpa

München - Seit 2006 sitzt Gustl Mollath zwangsweise in der Psychiatrie. Nun hat sich Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) erneut zu dem Fall geäußert: Die weitere Unterbringung in der Psychiatrie sei fragwürdig, sagte sie in München. "Gerade die Dauer der Unterbringung des Herrn Mollath wirft Fragen auf." Bei der Prüfung der Fortdauer müsse diese "immer stärker ins Gewicht fallen".

Das Justizministerium habe die Staatsanwaltschaft gebeten, gemeinsam mit dem Bezirkskrankenhaus in Bayreuth Möglichkeiten der Lockerung anzubieten, damit Mollath wieder ein soziales Umfeld aufbauen könne. Merk äußerte sich damit zur Verfassungsbeschwerde von Mollaths Anwalt.

Schon vor wenigen Tagen hatte die "Augsburger Allgemeine Zeitung" gemeldet, Merk wolle sich für die baldige Freilassung von Gustl Mollath einsetzen. Sie war in dem Fall stark unter Druck geraten.

Mitte Juni wehrte sich Merk vor dem Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags gegen Kritik: Von Untätigkeit oder Versäumnissen ihrerseits oder ihres Ministeriums könne keine Rede sein, sagte die Ministerin - und zeigte erstmals emotionale Anteilnahme an dem Fall.

Mollath war 2006 als gemeingefährlich in die Psychiatrie eingewiesen worden. Unter anderem soll er seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben. Er selbst sieht sich dagegen als Opfer eines Komplotts seiner früheren Ehefrau und der Justiz, weil er auf Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe hingewiesen habe.

Im Mollath-Untersuchungsausschuss im Landtag soll am Dienstag der Abschlussbericht vorgelegt werden. Regierung und Opposition konnten sich nicht auf eine einheitliche Bewertung des Falls einigen.

aar/dpa
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