Prozess in Regensburg Zeugin schildert Mollath als bedrohlich

Was ist dran an den Prügelvorwürfen gegen Gustl Mollath? Vor Gericht berichtete die Schwägerin seiner Ex-Frau, sie habe den Angeklagten als bedrohlich wahrgenommen. Dies steht allerdings im Widerspruch zu ihrer früheren Aussage.

Gustl Mollath im Landgericht Regensburg: Prügelvorwürfe gegen den Angeklagten
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Gustl Mollath im Landgericht Regensburg: Prügelvorwürfe gegen den Angeklagten


Regensburg - Am dritten Verhandlungstag im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath hat die Schwägerin seiner Ex-Frau Petra M. Prügelvorwürfe untermauert. Sie habe bei einem Treffen im August 2001 bei Petra M. blaue Flecken am Hals und eine Bissverletzung am Arm gesehen.

Mollath muss sich vor dem Landgericht Regensburg unter anderem wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung verantworten. Er soll 2001 seine damalige Ehefrau misshandelt und eingesperrt haben. Mollath war im August 2006 vom Landgericht Nürnberg wegen mangelnder Schuldfähigkeit freigesprochen worden, das Gericht ordnete aber seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Mollath blieb siebeneinhalb Jahre lang in der Psychiatrie.

Die Zeugin sagte nun im Wiederaufnahmeverfahren, Petra M. habe sich nach dem Treffen im August 2001 auf ihren Rat hin untersuchen lassen. Bei dem Arzt handelte es sich um den Chef der Zeugin, sie ist Arzthelferin. Er habe dann ein Attest ausgestellt.

Im Mai 2002, kurz nach der Trennung von Gustl Mollath, war Petra M. mit ihrer Schwägerin zu dem Haus gefahren, in der sie mit Gustl Mollath zusammengelebt hatte, um Kleider abzuholen. "Es war eine bedrohliche Situation. Im Hausflur war alles abgedunkelt, und Herr Mollath hat sich bedrohlich vor mir aufgebaut", sagte die Zeugin am Mittwoch. Schließlich hätten beide Frauen aber das Haus verlassen können. Mollath soll zuvor seine damalige Ehefrau für mehr als eine Stunde im Schlafzimmer eingesperrt haben.

Die Aussagen der Zeugin sorgten beim Gericht und vor allem bei der Verteidigung für Unverständnis. Die heute 51-Jährige hatte in ihrer ersten Aussage vor zehn Jahren behauptet, sie habe nichts von Verletzungen gemerkt, und sie habe Gustl Mollath nicht gesehen, als sie die Kleider abholten. "Die damalige Befragung war extrem kurz und oberflächlich", sagte die Zeugin nun. Sie sei sich ihrer Aussage sicher. Mollaths Verteidigung stellte die Glaubwürdigkeit der Zeugenaussage in Frage.

wit/dpa



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