Schüsse auf Schnee-Fotografen in Dallas Todesschütze zu 38 Jahren Haft verurteilt

Ein junger Texaner muss 38 Jahre in Haft. Ein Gericht sah es als erwiesen an, dass er einen irakischen Migranten erschoss, als dieser seine ersten Fotos von Schnee machte.
Angeklagter Nykerion Nealon: 38 Jahre Haft

Angeklagter Nykerion Nealon: 38 Jahre Haft

Foto: REUTERS/ Dallas County Sheriffs Department

Der Iraker Achmed Al-Jumaili kam in die Vereinigten Staaten, um sich mit seiner Frau ein neues Leben aufzubauen. Gerade mal drei Wochen lebte der 36-Jährige im US-Bundesstaat Texas, dann wurde er Opfer einer Gewalttat.

Am Abend des 4. März 2015 war Jumaili mit seiner Frau und seinem Bruder auf die Straße vor seiner Wohnung gelaufen, um Fotos von Schnee zu machen, den er das erste Mal in seinem Leben sah.

Völlig unerwartet soll dann der damals 17-jährige Nykerion Nealon das Feuer auf den Iraker eröffnet haben. 14-mal habe er auf das Apartmenthaus geschossen, angeblich, weil er dort jemanden vermutete, der kurz zuvor auf die Wohnung seiner Freundin geschossen hatte. Jumaili wurde so schwer verletzt, dass er am nächsten Tag starb.

Im anschließenden Prozess beschrieb der Staatsanwalt Nealon als einen fanatischen Waffennarren. Der Angeklagte habe kurz nach der Tat online recherchiert, wie man einer Mordanklage begegnet und sich im Gefängnis behauptet.

Nealon selbst bestritt, überhaupt geschossen zu haben. Sein Anwalt Russell Wilson erklärte, sein Mandant habe sich zwar am Tatort befunden, aber nicht den Abzug betätigt. Ein Freund von Nealon hingegen bestätigte mit seiner Zeugenaussage die Version der Staatsanwaltschaft.

Anwalt Wilson kritisierte das Strafmaß und verglich den Fall mit dem von Ethan Couch, einem 16-Jährigen, der in betrunkenem Zustand vier Menschen bei einem Autounfall getötet hatte und mit einer Jugendstrafe von zehn Jahren auf Bewährung davongekommen war. "Wir sind schockiert, unser Vertrauen in das Justizsystem ist erschüttert", sagte Wilson dem Sender KDFW.

Die Familie des Opfers zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. "Nichts kann uns Ahmed zurückbringen - keine Strafe, egal wie leicht oder schwer, kann ihn zurückbringen", sagte eine Sprecherin des Rates für amerikanisch-islamische Beziehungen. "Aber die Angehörigen haben das Gefühl, dass heute Gerechtigkeit ausgeübt wurde."

ala/AP
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