Mord an Kinder-Schönheitskönigin Lehrer gesteht Tat nach zehn Jahren

Zehn Jahre beschäftigte der Mord an der gerade mal sechs Jahre alten Schönheitskönigin JonBenet Ramsey die amerikanische Öffentlichkeit. Nun scheint der Fall gelöst. Thailändische Behörden haben einen Tatverdächtigen festgenommen.


San Francisco - Es ist der 26. Dezember 1996. Patsy Ramsey, die Mutter der kleinen JonBenet, die in Kinder-Schönheitswettbewerben zahlreiche Preise gewonnen hatte, meldet der Polizei die Entführung ihrer kleinen Tochter. Sie habe ein Schreiben gefunden, in dem ein Erpresser ein Lösegeld in Höhe von 118.000 Dollar fordere.

Wenige Stunden später wird der Leichnam des Mädchens gefunden - in der Gerümpelkammer ihres Elternhauses in Boulder im Bundesstaat Colorado. Der Mund der kleinen Miss ist zugeklebt, an ihrem rechten Handgelenk hängt das Stück eines Seils. Die Obduktion ergibt: Das Mädchen starb nach einem Schlag mit einem stumpfen Gegenstand gegen den Kopf. Unter den Fingernägeln der Kleinen entdeckte die Polizei DNA-Spuren. Diese konnte sie jedoch nicht zuordnen.

Im Laufe der fast zehn Jahre andauernden Ermittlungen waren auch die Eltern in Verdacht geraten. Sie bestanden jedoch stets darauf, ein Unbekannter sei ins Haus eingedrungen und habe JonBenet getötet. JonBenets Mutter Patsy starb in diesem Juni im Alter von 49 Jahren an Krebs.

Nun melden die thailändischen Behörden, dass sie den mutmaßlichen Mörder der kleinen JonBenet in Bangkok gefasst haben. Der 41-Jährige habe gestanden, den Tod des Kindes verschuldet zu haben. Allerdings behauptet der Festgenommene, der Tod des Mädchens sei ein Unfall gewesen. Der Mann lebte damals ebenfalls in Boulder. Er soll in Kürze an die USA ausgeliefert werden.

Diskussion über Schönheitswettbewerbe

Polizeiangaben zufolge soll der Verdächtige vor kurzem in Thailand gelandet sein - auf der Suche nach einem Job als Englischlehrer. "Viele Kriminelle kommen nach Thailand, um hier als Sprachlehrer zu arbeiten", so Chefermittler Suwat Tumroungsiskul. "Sie sind sehr gefährlich." Erst vor wenigen Tagen war gegen den Mordverdächtigen Haftbefehl wegen Entführung, sexuellen Missbrauchs und Mordes erlassen worden. Gemeinsam mit Agenten des FBI hefteten sich thailändische Fahnder daraufhin an seine Fersen.

Der Mordfall JonBenet Ramsey hatte die Amerikaner jahrelang bewegt und eine Diskussion über Schönheitswettbewerbe für Kinder entfacht. Monatelang zeigten US-Fernsehsender Aufnahmen davon, wie die blonde, blauäugige JonBenet im sexy Outfit, geschminkt und mit verführerischen Gesten vor der Kamera herumstolzierte. Kritiker sahen bei diesen Schönheitswettbewerben die Grenze zur Kinderpornografie erreicht. Rund 500.000 Kinder beteiligen sich jedes Jahr an diesen Miss-Wahlen.

aki/AFP/AP/reuters



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