Mord an Tramperin Sophia Angeklagter zu lebenslanger Haft verurteilt

Im Prozess wegen Mordes an einer jungen Tramperin ist der Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Sexualdelikt konnte dem Fernfahrer nicht nachgewiesen werden.

Angeklagter vor dem Landgericht Bayreuth
DPA

Angeklagter vor dem Landgericht Bayreuth


Wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung an der 28-jährigen Sophia Lösche hat das Landgericht Bayreuth einen Lastwagenfahrer zu lebenslanger Haft verurteilt.

Mit der Verurteilung Boujemaa L.s wegen Mordes folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf eine mehrjährige Haftstrafe wegen Totschlags plädiert.

Das Gericht kam aber wie die Anklage zu dem Schluss, dass der aus Marokko stammende 42-Jährige Sophia im Juni vergangenen Jahres im Streit niedergeschlagen, schwer verletzt und dann bei einem zweiten Angriff getötet hatte. Damit handelte es sich nach Überzeugung des Gerichts um Mord zur Verdeckung der vorangegangenen Körperverletzung.

Sexualdelikt nicht nachweisbar

Der Vorsitzende Richter Bernhard Heim sagte, L. sei kein Sexualdelikt als Mordmotiv nachzuweisen gewesen. Allerdings habe er die Fahrt mit der Tramperin auf einem Parkplatz unterbrochen, um sich ihr "sexuell motiviert" zu nähern.

Die Studentin habe den verheirateten Familienvater deutlich zurückgewiesen. Dies habe ihn so "massiv gekränkt", dass sich ein Streit entwickelt habe, in dem ihm Sophia womöglich mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe.

Der Richter sagte, der Schlag habe "den leicht reizbaren, zu Aggressivität neigenden Angeklagten vollends in Rage versetzt". Er habe mindestens viermal mit einem Radmutterschlüssel auf Sophias Kopf eingeschlagen und sie massiv verletzt.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die Familie hatte über die sozialen Netzwerke selbst nach Sophia gesucht und den Fernfahrer in Spanien kontaktiert, bevor die Polizei ihn fand. Eine Woche nach dem Verschwinden der jungen Frau war ihre Leiche in einem Straßengraben in Spanien gefunden worden.

Sophia Lösche hatte vor gut einem Jahr von Leipzig in Richtung Nürnberg trampen wollen. Von dort wollte sie nach Aussage ihres Bruders Andreas Lösche per S-Bahn zu ihrer Familie nach Amberg in der Oberpfalz fahren. Dort kam die 28-Jährige aber nie an. Die eigentliche Tat soll sich in Oberfranken ereignet haben.

Kritik an Ermittlern

Die Familie hatte die Arbeit der deutschen Ermittler wiederholt kritisiert. Sie hätten Sophia lange als Vermisstenfall eingestuft, obwohl von Anfang an der Verdacht auf ein Gewaltverbrechen vorgelegen habe. Auch habe die Kommunikation zwischen den Bundesländern Bayern und Sachsen nicht funktioniert.

Rechtspopulisten hatten versucht, den gewaltsamen Tod der Studentin zu instrumentalisieren. Die Familie Lösche betonte vor diesem Hintergrund immer wieder, dass es in dem Verfahren nicht um Gewalt von Flüchtlingen gehe, sondern um Gewalt gegen Frauen.

ala/dpa/AFP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.