Mord an Tochter Gericht verurteilt Mehmet Ö. zu lebenslanger Haft

Mit 68 Messerstichen wurde die 15-jährige Büsra aus Schweinfurt getötet. Ihr Vater, der Gastwirt Mehmet Ö., wurde nun wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Verteidigung hatte eine niedrigere Strafe gefordert.

Mehmet Ö. am Landgericht Schweinfurt: Wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt
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Mehmet Ö. am Landgericht Schweinfurt: Wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt


Schweinfurt - Das Landgericht der bayerischen Stadt Schweinfurt sieht es als erwiesen an, dass Mehmet Ö. seine Tochter Büsra im vergangenen Juni mit einem Fleischermesser erstochen hat. Die Richter verurteilten den Dönerverkäufer wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

"Durch die furchtbare Tragödie hat die 15-jährige Büsra ihr Leben verloren", sagte die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ott am Mittwoch. "Eine Familie wurde zerstört."

Der Angeklagte nahm das Urteil wegen Mordes nahezu regungslos auf, den Blick gesenkt, die Hände gefaltet. Er hatte seine schlafende Tochter Büsra in der Nacht zum 24. Juni 2009 im Haus der Familie am Rande der Schweinfurter Innenstadt umgebracht - mit 68 Messerstichen.

"Es handelt sich keinesfalls um einen klassischen 'Ehrenmord'", sagte Ott in der Urteilsbegründung. Vielmehr habe der 46-Jährige die Jugendliche getötet, "weil er es nicht ertragen hat, dass Büsra eine Beziehung zu einem jungen Mann eingegangen ist". Das westlich orientierte Mädchen habe sich nicht den Wünschen seines Vaters gebeugt, sich seinem Willen gar widersetzt. Der Türke habe das als tiefe Kränkung empfunden, Wut und Ärger seien die Folge gewesen, erläuterte die Vorsitzende der Kammer.

Die Freundschaft Büsras zu dem 17-jährigen Jungen sei eine harmlose Beziehung gewesen - nicht mehr als Händchenhalten. Für den Vater sei dies jedoch schon zuviel gewesen. "Er hatte Angst, dass sie einen in seinen Augen falschen Weg gehen könnte", sagte Ott. "Er befürchtete, von ihr verlassen zu werden. In seinen Augen war Büsra nicht mehr lenkbar."

"Ich habe sie getötet, um sie zu schützen"

Mehmet Ö., der seit 1991 in Deutschland lebt, hatte das Verhältnis zu seiner Tochter bei Prozessauftakt als zunehmend schwierig beschrieben. Sie sei respektlos, ungeduldig und stur gewesen, immer wieder seien junge Männer vor dem Haus der Familie aufgetaucht. Auch habe er Büsras Handy kontrolliert.

Zum Prozessauftakt hatte Ö. die Tat gestanden, sie aber als Versehen dargestellt. Er habe in der Tatnacht einen Einbrecher im Haus vermutet, dann sei er in die Küche gestürmt, habe das Küchenmesser genommen und zugestochen.

In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte: "Ich habe sie getötet, um sie zu schützen." Er habe Angst gehabt, dass Büsra entführt werden oder ihr sonst etwas zustoßen könne.

Der Mann ist laut psychiatrischem Gutachten depressiv. Die Vorsitzende Richterin sagte jedoch, zumindest beim ersten Messerstich sei der Familienvater voll steuerungs- und schuldfähig gewesen - er wusste also, was er tat.

Mit seinem Urteil folgte das Gericht den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Oberstaatsanwalt Rainer Gündert hatte eine lebenslange Haftstrafe verlangt. Mehmet Ö. habe seine Tochter bewusst getötet, nicht aus Versehen. "Er hat auch etwas Angst um seine Ehre gehabt, aber das spielte wohl nicht die ganz große Rolle", sagte Gündert in seinem Plädoyer. Die Anklage war zu Prozessbeginn vor gut zwei Wochen noch von einem sogenannten Ehrenmord ausgegangen.

Der Verteidiger hatte sich für eine mildere Strafe ausgesprochen, da der Kaufmann seelisch krank und daher vermindert schuldfähig sei. Der Anwalt sagte in seinem Plädoyer, sein Mandant habe sich mehr und mehr in irrationale Ängste und einen Wahn hineingesteigert.

siu/dpa/ddp

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Seite 1
saul7 10.03.2010
1. ++
Zitat von sysopMit 68 Messerstichen wurde die 15-Jährige Büsra aus Schweinfurt getötet. Ihr Vater, der Gastwirt Mehmet Ö., wurde nun wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Verteidigung hatte eine niedrigere Strafe gefordert. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,682859,00.html
Wer seine eigene Tochter aus den genannten Motiven mit 68 Messerstichen niedermetzelt hat eine angemssene Strafe verdient.
Pazifist 10.03.2010
2. antitürkisches Exempel
Mich beschleicht ein Ungehagen. Das Urteil erscheint mir überzogen. Der Mann war zur Zeit der Tat seeelisch krank und daher vermindert schuldfähig. Wird hier ein "antitürkisches Exempel" statuiert?
mm01 10.03.2010
3. antitürkisch
Zitat von PazifistMich beschleicht ein Ungehagen. Das Urteil erscheint mir überzogen. Der Mann war zur Zeit der Tat seeelisch krank und daher vermindert schuldfähig. Wird hier ein "antitürkisches Exempel" statuiert?
Höre ich da schon wieder die alte Leider: Wir Türken werden immer diskriminiert? Ich kann Sie beruhigen. Er wurde behandelt wie ein Deutscher der einen Mord begangen hat.
Pazifist 10.03.2010
4. in dubio contra reo
Zitat von mm01Höre ich da schon wieder die alte Leider: Wir Türken werden immer diskriminiert? Ich kann Sie beruhigen. Er wurde behandelt wie ein Deutscher der einen Mord begangen hat.
Eben das steht hier zu bezweifeln. Bei einem Deutschen hätte das Gericht die verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten in Betracht gestellt. Da es sich aber um einen Türken handelte, dachte das Gericht wohl: "in dubio contra reo".
Rainer Helmbrecht 10.03.2010
5. .
Zitat von mm01Höre ich da schon wieder die alte Leider: Wir Türken werden immer diskriminiert? Ich kann Sie beruhigen. Er wurde behandelt wie ein Deutscher der einen Mord begangen hat.
Mal abgesehen davon, wäre es gerechter und seiner Herkunft nach verständlicher, wen man im Urteil geschrieben hätte, das Mädchen ist zwar ermordet worden, aber für einen Türken ist das ganz normal.... die sind so. MfG. Rainer
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