Mord an Vater Zwölfjähriger erkämpft Schmerzensgeld

Weil seine Mutter und ihr Ex-Geliebter seinen Vater brutal töteten, hat ein Zwölfjähriger Anspruch auf 25.000 Euro Schmerzensgeld und Unterhaltszahlungen. Das hat das Bochumer Landgericht entschieden. Ob das Geld jemals gezahlt wird, ist jedoch zweifelhaft.


Bochum - Zu der heutigen Verhandlung im Landgericht war als Kläger lediglich der Onkel des Jungen erschienen. Das Gericht verurteilte die Mörder, die eine lebenslange Haftstrafe absitzen, zur Zahlung von 25.000 Euro Schmerzensgeld und einer monatlichen Unterhaltsrente von rund 85 Euro. Es ist jedoch fraglich, ob der Junge jemals etwas von dem Geld sieht, da die beiden Verurteilten nach Angaben ihrer Anwälte mittellos sind.

Der sogenannte Schlafzimmermord hatte im Jahr 2002 Schlagzeilen gemacht. Am 15. August des Jahres soll der Liebhaber zusammen mit der Mutter den schlafenden Ehemann erschossen haben. Insgesamt 18 Mal feuerte er aus seiner neunkalibrigen Waffe des Typs Browning - 14 Kugeln zerfetzten den Körper des ahnungslosen Opfers. Der damals neunjährige Junge befand sich zum Tatzeitpunkt in seinem Kinderzimmer und wurde Ohrenzeuge des Mordes.

Die Frau und ihr Geliebter wurden wegen gemeinschaftlichen Mordes im April 2003 vom Bochumer Schwurgericht zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Der Angeklagte hatte während des Prozesses stets behauptet, seine Freundin habe ihren Mann getötet und er sei erst später auf Anruf hinzugekommen. Der Junge hingegen hatte erklärt, der Mann sei zum Tatzeitpunkt in der Wohnung gewesen.

Das Gericht hielt die Unschuldsversion des Mannes für widersprüchlich, "hölzern" und "psychologisch nicht nachvollziehbar". Staatsanwalt Michael Nogaj erklärte damals: "Das, was er erzählt hat, ist eine Lügengeschichte." Die Tat komme einer Exekution gleich, der Mord sei "mit Kalkül, kühler Konsequenz und großer Radikalität umgesetzt worden", so der Anklagevertreter.

In seinem Urteil attestierte das Gericht dem Mann eine besondere Schwere der Schuld, was bedeutete, dass er frühestens nach 23 Jahren aus der lebenslangen Haft entlassen werden konnte. Gegen diese Entscheidung legte der Verurteilte Revision vor dem Bundesgerichtshof ein. Der bestätigte zwar den Schuldspruch der ersten Instanz. Er hob aber die Strafverschärfung auf, weshalb der Mann jetzt hoffen kann, nach 15 Jahren entlassen zu werden.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.