Polizeigewalt in den USA 96 Schwarze pro Jahr von weißen Cops getötet

Mit acht Schüssen streckte Michael S. den flüchtenden Walter Scott nieder - offenbar ohne Not. Der Schütze ist ein weißer Polizist, das Opfer schwarz, schon wieder. Wie steht es um die Polizeigewalt in den USA? Die wichtigsten Antworten.
Demonstranten in North Charleston: "Wir sind alle Menschen"

Demonstranten in North Charleston: "Wir sind alle Menschen"

Foto: Chuck Burton/ AP/dpa

Ein schwarzer Mann. Ein weißer Polizist. Und wieder debattieren die USA über Rassismus und Gewalt. Am vergangenen Wochenende starb Walter Scott, 50, in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Der Polizist Michael S. feuerte auf den Flüchtenden, später behauptete der Cop, aus Angst um sein Leben geschossen zu haben. Ein Video des Vorfalls widerlegte seine Aussage jedoch. S. wurde festgenommen, er ist wegen Mordes angeklagt.

Walter Scott ist der neueste Name auf einer Liste schwarzer Opfer. Nach Michael Brown, 18, in Ferguson. Nach Tamir Rice, 12, in Cleveland. Nach Eric Garner, 43, in New York. Die Todesfälle sorgten im ganzen Land für anhaltende Proteste - auch weil viele der Taten auf Videos festgehalten wurden. Beobachter vermuten, dass die Polizisten auch aus rassistischen Motiven handelten.

Aber nimmt die Polizeigewalt in den USA tatsächlich zu? Und wer kann dort eigentlich Polizist werden? Die wichtigsten Fragen und Antworten.


Wie viele Polizisten in den USA sind schwarz, wie viele weiß?

Nach der jüngsten Statistik des FBI gibt es in den USA insgesamt knapp 630.000 Polizisten. Exakte Zahlen über das Verhältnis von schwarzen zu weißen Cops zu finden, ist schwer. Generell kann man laut "New York Times"  davon ausgehen, dass Weiße in der Polizei deutlich überrepräsentiert sind. Das heißt, gemessen am Anteil an der Bevölkerung müsste es deutlich mehr schwarze Polizisten geben. Insgesamt sind knapp drei Viertel der US-Amerikaner weiß, etwa 13 Prozent schwarz.

SPIEGEL ONLINE

In der Kleinstadt Ferguson, in der der schwarze Jugendliche Michael Brown getötet wurde, gab es Mitte 2014 insgesamt 53 Polizisten, darunter nur drei schwarze - dabei machen Afroamerikaner rund zwei Drittel der Bevölkerung aus. In North Charleston gab es ein vergleichbares Missverhältnis: Nach Recherchen der Lokalzeitung "The Post and Courier"  waren im vergangenen Jahr nur 18 Prozent der Polizisten Schwarze, während ihr Anteil an der Einwohnerzahl 45 Prozent betrug.

Weiße Polizisten, schwarze Bevölkerung - das gegenseitige Misstrauen sitzt tief. Das sieht auch US-Präsident Barack Obama so. Er sagte nach den Vorkommnissen von Ferguson, das Misstrauen sei kein lokales, sondern "ein amerikanisches Problem". Im August 2014 wurde eine Gallup-Umfrage  veröffentlicht, wonach 59 Prozent der weißen Amerikaner der Arbeit der Polizei vertrauen. Unter der schwarzen Bevölkerung liegt der Anteil nur bei 37 Prozent.


Häufen sich die Vorfälle, in denen weiße Polizisten Schwarze erschießen?

Die Statistiken zur Polizeigewalt in den USA offenbaren große Lücken. Justizminister Eric Holder räumte vor Kurzem ein, man habe keinen kompletten Überblick. Das FBI meldete, im Jahr 2013 hätten Polizisten im Einsatz insgesamt 461  mutmaßliche Straftäter erschossen, so viele wie seit zwei Jahrzehnten nicht. Im Jahr 2012 lag die Zahl bei 426. Nach einer Analyse der Tageszeitung "USA Today" auf Basis der FBI-Zählung wurden von 2007 bis 2012 im Schnitt 96 Schwarze pro Jahr von einem weißen Cop getötet.

Auffallend ist, dass solche Vorfälle zunehmen, wenn man sie ins Verhältnis zur Zahl der Verbrechen setzt. Im Jahr 1991 gab es laut FBI 1,92 sogenannte berechtigte Tötungen  (justified homicides) pro 10.000 Gewalttaten. Im Jahr 2001 waren es 2,63 Fälle, zehn Jahre später schon 3,35 Fälle. Nach Erkenntnissen der Justizbehörden kommen Schwarze überproportional häufig mit dem Gesetz in Konflikt. Im Jahr 2010 waren nach Angaben der Behörden 28 Prozent der Verhafteten in den USA Schwarze.


Wie sieht die Auswahl und Ausbildung der US-Polizisten aus?

Wer in den USA zum Polizisten ausgebildet werden will, muss mehrere Bedingungen erfüllen, die exakten Details können in den einzelnen Bundesstaaten variieren. In den allermeisten Fällen müssen Bewerber mindestens 21 Jahre alt und körperlich fit sein. Voraussetzungen sind zudem ein Führerschein und die amerikanische Staatsbürgerschaft. Die Chancen auf einen Job werden deutlich eingeschränkt, wenn Bewerber bereits straffällig geworden sind, Drogen genommen oder Schulden angehäuft haben.

Nach einem Schulabschluss müssen die angehenden Polizisten zudem ein spezielles Training durchlaufen, die Dauer variiert je nach Standort zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten. Vorgesehen sind beispielsweise Schulungen zum Thema Recht sowie praktische Übungen unter anderem zum Gebrauch von Schusswaffen.

Das New York Police Department (NYPD) hat die verschiedenen Schritte des Bewerbungsverfahrens  aufgelistet - vom ersten Anschreiben über medizinische, sowie mündliche und schriftliche psychologische Tests. Eine ähnliche Prozedur durchlaufen auch Bewerber in Los Angeles, die Polizei dort wirbt  zudem mit einem Einstiegsgehalt von 57.420 Dollar.

SPIEGEL ONLINE
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.