Debatte um Strafrecht Mord soll nicht mehr automatisch zu lebenslang führen

Justizminister Heiko Maas will den Mordparagrafen von Einflüssen aus der Nazizeit reinigen und gerechter machen. Nach SPIEGEL-Informationen empfiehlt eine von Maas eingesetzte Expertengruppe, mildere Strafen zu ermöglichen.

Spurensicherung am Tatort (Archiv): Strafrecht soll in Sachen Mord erneuert werden
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Spurensicherung am Tatort (Archiv): Strafrecht soll in Sachen Mord erneuert werden


Ein Mord soll in Deutschland künftig nicht mehr automatisch mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe geahndet werden. Darauf hat sich eine Expertenkommission geeinigt, die Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zur Reform der Tötungsdelikte einberufen hat. Es müsse der Justiz im Einzelfall möglich sein, mildere Sanktionen zu verhängen, schreibt das Gremium in seinem 282-seitigen Abschlussbericht. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Außerdem empfiehlt die 16-köpfige Runde aus Wissenschaftlern, Richtern und Staatsanwälten, den Begriff "Mörder" aus dem Strafrecht zu streichen. Auch vom "Totschläger" sollte nicht mehr die Rede sein. Damit würden endlich die letzten Spuren der Tätertypenlehre der Nazizeit aus dem Strafgesetzbuch getilgt, argumentieren die Juristen.

Die Kommission wandte sich allerdings gegen die Überlegung, umstrittene Mordmerkmale wie "Heimtücke" und "niedrige Beweggründe" ganz aus dem Gesetz zu streichen. Sie schlägt vielmehr vor, den Katalog zu erweitern und künftig zum Beispiel auch Tötungen "aus rassistischen Beweggründen" als Mord zu ahnden.

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insgesamt 254 Beiträge
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hatschon 27.06.2015
1. Eigentlich ist Mord
Ein schlimmes Verbrechen. Gibt es bald nur noch ein bisschen Mord oder wer hilft hier wem ? Täter oder Opfer ? Bin sprachlos!
francoilgatto1! 27.06.2015
2.
Das legt den Richtern ein noch höheres Maß an Verantwortung auf. Richtig finde ich, dass die Mordmerkmale differenziert werden. Mir war nicht bekannt, dass eine Tötung aus rassistischen Gründen nicht als Mord geahndet wird. Oder ist der Artikel mißverständlich? Dass eine Tötung aus rassistischen Gründen in der Nazizeit nicht als Mord eingestuft wurde, liegt allerdings auf der Hand und das sollte schleunigst geändert werden. Mich würde interessieren, inwieweit die Änderungen der Gesetzeslage bei Mord die bei Totschlag tangiert.
M. Michaelis 27.06.2015
3.
Im Klartext das Strafrecht soll ideologisch der Zeit angepasst werden. Dabei sollte das Ziel sein das Strafrecht so unideologisch wie möglich zu machen. Im übrigen sind die bisherigen Mordmerkmale sogar unidelogischer als Mord aus rassistischen Motiven. Mir fällt bei Mass generell auf dass eine eine Affinität zu ideologisch motiviertem Strafrecht hat.
feri-aus-berlin 27.06.2015
4.
ich hoffe doch, dass gemeint ist aus Lebenslänglich auch Doppelt-Lebenslänglich machen zu können! Mord .. die absichtlich geplante Beendigung der Existenz eines oder mehrerer anderer Menschen und Auslöschung derer Zukunft und Verursachung massiven und endlosem Schmerz der Hinterbliebenen. Der "Mörder", wie er nicht mehr genannt werden soll, also "dem Opfer seiner Selbst und der Gesellschaft", wird immerhin das Weiterleben und Besuchsrecht gewährt. Das ist mehr als dieser Mensch seinen Opfern zugestanden hat.
praetor300 27.06.2015
5. Nichts neues
Das ist alles nicht neu, wird schon lange so gehandhabt und wer sich an Terminologie aufhält, hat inhaltlich das Thema verfehlt...
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