Mord nach Chatroom-Date Täter von Marl auch in Stade unter Verdacht

In Chatrooms soll er Jagd auf Frauen gemacht haben: Ein 27-Jähriger steht im Visier der Staatsanwaltschaft. Der Mann ist vor zwei Wochen verhaftet worden, weil er eine Frau in Marl umgebracht haben soll. Nun gibt es Hinweise, dass er auch für den Tod einer Frau aus Stade verantwortlich sein könnte.


Essen - Die Spur führt nach Norddeutschland: Es gebe Hinweise, dass der 27-Jährige auch für den Tod einer Frau in Stade Anfang Juni verantwortlich sein könnte, sagte der Essener Staatsanwalt Hans-Christian Gutjahr. Er bestätigte damit einen Bericht des "Berliner Kuriers".

Der Mann hat gestanden, Mitte Juni in Marl eine 39-Jährige bei einem Besuch getötet zu haben. Die Frau hatte er zuvor in einem Internet-Chatroom kennengelernt. Der Fall in Stade weist deutliche Parallelen auf: Die dort getötete 26-Jährige habe mit dem Täter von Marl Kontakt ebenfalls über einen Chatroom gehabt, teilte die Staatsanwaltschaft Essen mit.

Nun geht die Polizei dem Verdacht nach, dass es noch weitere Opfer geben könnte: "Wir untersuchen, ob es weitere Fälle gibt. Dabei müssen wir uns auch die letzten Jahre ansehen", sagte Gutjahr.

Auf die Spur gekommen waren die Fahnder dem Hamburger nach der Ermordung der 39-Jährigen. Die Mordkommission "Zubringer" stellte bei ihren Ermittlungen fest, dass das Opfer kurz vor der Tat den 26-Jährigen in einem Chatroom kennengelernt und sich mit ihm verabredet hatte. Während des Besuchs kam es zu einem Streit, in dessen Verlauf er die Frau an einer Autobahnauffahrt mit 26 Messerstichen tötete. Anschließend stahl er einen Computer und andere Wertgegenstände aus der Wohnung der Frau und fuhr mit seiner Beute zurück nach Hamburg.

Bei ihren weiteren Ermittlungen entdeckte die Polizei dann, dass der Verhaftete sich im Internet auch mit einer Frau aus Stade verabredet hatte. Ihre Leiche war am 19. Juni gefunden worden. Allerdings war sie bereits so stark verwest, dass die Gerichtsmediziner die Todesursache nicht mehr feststellen konnten.

Die Ermittler fanden nach der Identifizierung heraus, dass sich die arbeitslose Frau viel in Internet-Chats aufhielt. Dort benutzte sie Fantasienamen und suchte auf diesem Weg Bekanntschaften im norddeutschen Raum. Zeitweise lebte sie in der Region Wischhafen. Die Frau habe in den Chats aber auch falsche Angaben zu ihren tatsächlichen Lebensverhältnissen gemacht.

Nach den Ermittlungen der Polizei in Stade traf sich der Hamburger am 5. Juni mit der Frau. Eine Kamera an einem Geldautomaten nahm sie auf, als sie versuchte in der Gegenwart des Tatverdächtigen Geld abzuheben. Danach verliert sich laut Polizei ihre Spur bis zum Auffinden der Leiche zwei Wochen später. "Er kommt als Täter infrage. Es gibt Hinweise, dass er sich mit ihr im Internet verabredet und sie getroffen hat und die Frau seitdem verschwunden war", sagte Gutjahr.

Die Essener Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen federführend übernommen. Der Verdächtige sitzt in NRW in Untersuchungshaft und konnte noch nicht zum Stader Fall vernommen werden.

han/AP/dpa



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