Mord vor Ampel Polizei vermutet privates Motiv hinter Bluttat

Sein Liebesleben war offenbar der Grund für seine Ermordung: Im Fall des in Niedersachsen erschossenen Autofahrers gehen die Ermittler inzwischen von einem privaten Motiv der beiden Tatverdächtigen aus. Das verheiratete Opfer soll eine Affäre mit einer ebenfalls verheirateten Frau gehabt haben.

Tatort Sarstedt: An dieser Ampel wurde ein 35-Jähriger erschossen
dapd

Tatort Sarstedt: An dieser Ampel wurde ein 35-Jähriger erschossen


Sarstedt/Hildesheim - Von den beiden Tatverdächtigen fehlt weiter jede Spur, doch bei der Suche nach dem Motiv gibt es Erkenntnisse: Im Fall der tödlichen Schüsse auf einen 35 Jahre alten Syrer in Sarstedt gehen die Ermittler inzwischen von einem privaten Motiv aus. Der Hildesheimer Oberstaatsanwalt Bernd Seemann bestätigte am Dienstag Medienberichte über ein Verhältnis des Opfers. Der von seiner Ehefrau getrennt lebende Mann habe eine Beziehung zu einer anderen Frau unterhalten, was deren Familie nach jetzigem Kenntnisstand "missfallen" habe. "Familiäre Verwerfungen" kämen als Motiv daher "durchaus in Frage".

Der 35-Jährige, der in Hildesheim lebte, war am Sonntagabend in seinem Auto erschossen worden, als er an einer roten Ampel gehalten hatte. Zeugen zufolge waren zwei Männer an seinen Wagen herangetreten und hatten gezielt auf ihn geschossen. Der Mann wurde von mehreren Kugeln getroffen und starb. Die Schützen konnten unerkannt entkommen.

Zunächst hatten die Ermittler Medienberichtete über ein Verhältnis des verheirateten Mannes nicht kommentiert und lediglich gesagt, dass politische oder fremdenfeindliche Hintergründe ausgeschlossen werden könnten.

Nun führte Oberstaatsanwalt Seemann aus, das Opfer sei nach islamischem Recht verheiratet gewesen und habe "seit längerer Zeit" eine Beziehung zu einer ebenfalls verheirateten Frau gehabt. Die Familie der Frau stamme "aus einem anderen Kulturkreis" und habe die Affäre nicht akzeptiert. Dass die flüchtigen Täter sich ins Ausland abgesetzt haben könnten, sei möglich, aber bislang Spekulation, sagte der Behördensprecher.

Der Geschäftsführer des Hildesheimer Vereins Asyl e.V., Uwe Wedekind, der das Opfer seit mehr als zehn Jahren kannte, geht von einem Familiendrama aus. Der Asylbewerber war Wedekind zufolge von der Familie seiner Geliebten bedroht worden. Der Mann habe um sein Leben gefürchtet und sei seit Mitte 2010 auf der Flucht gewesen, so Wedekind.

Die Polizei durchsuchte am Dienstag in Gelsenkirchen mehrere Wohnungen einer Großfamilie. Laut Seemann wurden keine Waffen entdeckt, weitere Ergebnisse lägen aber noch nicht vor. Bereits am Montag hatten die Ermittler drei Wohnungen und einen Laden in Hildesheim auf Beweismaterial und Waffen durchsucht, aber nichts gefunden.

siu/AFP/dpa/dapd



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